Neues aus Kuba
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Kubas Regierung vollzieht inmitten der schwersten Energiekrise seit Jahrzehnten einen bemerkenswerten Kurswechsel. Erstmals dürfen private Unternehmen in einem bislang streng kontrollierten Schlüsselbereich selbst aktiv werden.
19.0.2026 19:00 Uhr
Abbildung: Emmanuel Huybrechts from Laval, Canada, Scenes of Cuba (SAM 0603) (5981280647), Zuschnitt KUBAKUNDE, CC BY 2.0
Inmitten der schwersten Energiekrise seit Jahrzehnten hat die kubanische Regierung erstmals privaten Firmen erlaubt, selbst Kraftstoff zu importieren. Wie mehrere Unternehmer berichten, sind die ersten Lieferungen bereits auf dem Weg. Der Schritt markiert eine Zäsur in einem Sektor, der bislang vollständig unter staatlichem Monopol stand.
Auslöser ist der verschärfte Druck aus den Vereinigten Staaten. Anfang Januar ließ US-Präsident Donald Trump die Öllieferungen aus Venezuela an die Karibikinsel stoppen. Zugleich drohte Washington Staaten mit zusätzlichen Zöllen, sollten sie weiterhin Rohöl an Kuba verkaufen. Die Maßnahme traf Havanna in einer Phase ohnehin dramatischer wirtschaftlicher Schwäche. Die Folgen sind spürbar: Der Verkauf von Diesel ist derzeit ausgesetzt, Benzin wird stark rationiert. Vor Tankstellen bilden sich lange Schlangen. Die kubanische Wirtschaft leidet unter akuter Energieknappheit, die Produktion stockt, der Transportsektor ist beeinträchtigt. In den vergangenen fünf Jahren hat das Bruttoinlandsprodukt rund 15 Prozent eingebüßt, mehr als ein Fünftel der Bevölkerung hat das Land verlassen. Vor diesem Hintergrund öffnet die Regierung nun ein bislang tabuisiertes Feld. Vizepremierminister Oscar Pérez-Oliva kündigte an, jedes Unternehmen, das über die Möglichkeit verfüge, Kraftstoff zu erwerben, könne diesen künftig auch importieren. Bereits im November hatte der Außenhandelsminister entsprechende Schritte in Aussicht gestellt. Nach Angaben mehrerer Unternehmer erfolgen die Importe über staatliche Außenhandelsfirmen. Geliefert wird in standardisierten Edelstahltanks – sogenannten Isotanks – die in Frachtschiffen transportiert werden. Ein Firmeninhaber plant, rund 25.000 Liter Diesel aus den USA zu beziehen. Andere prüfen Lieferungen aus Nachbarstaaten oder aus Europa. Rechtliche Grundlage für eien Lieferung aus den USA ist eine Lizenz des US-Finanzministeriums, erteilt durch das Office of Foreign Assets Control (OFAC). Diese Genehmigungen existieren seit mehreren Jahren und erlauben kubanischen Privatfirmen unter bestimmten Bedingungen den Import ausgewählter Güter – darunter auch Treibstoff. Bis vor Kurzem untersagte jedoch der kubanische Staat ausdrücklich die Einfuhr von Kraftstoff durch nichtstaatliche Akteure. Trotz der Öffnung bleiben die Spielräume begrenzt. Der importierte Treibstoff ist ausschließlich für den Eigenbedarf bestimmt; ein Weiterverkauf an Dritte ist untersagt. Damit bleibt das staatliche Monopol im Einzelhandel faktisch bestehen. Zudem unterliegen Lagerung und Transport strengen Sicherheitsauflagen, die von den Behörden – unter anderem der Feuerwehr – zertifiziert werden müssen. Unternehmer berichten allerdings von unklaren Vorgaben und administrativen Verzögerungen. Strukturell bleibt die Abhängigkeit hoch. Während in Kuba gefördertes Schweröl vor allem zur Stromerzeugung in thermischen Kraftwerken eingesetzt wird, ist das Land bei Diesel und Flüssiggas nahezu vollständig auf Importe angewiesen. Diesel ist entscheidend für dezentrale Stromgeneratoren, den öffentlichen Verkehr, die Landwirtschaft und die Wasserversorgung. Seit 2021 sind in Kuba kleine und mittlere Privatunternehmen zugelassen. Im vergangenen Jahr existierten rund 9700 solcher Firmen, die etwa 15 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beitrugen. Doch nur ein Teil verfügt über das Know-how, internationale Lieferverträge abzuschließen, Devisenzahlungen abzuwickeln und Transportlogistik zu organisieren. Branchenberater rechnen daher mit einigen hundert Unternehmen, die realistisch in der Lage sind, Kraftstoff zu importieren. Ob die neue Regelung die Energiekrise spürbar lindern kann, ist offen. Die bisher geplanten Mengen liegen weit unter dem Bedarf der Insel.
Quelle: EFE (https://t1p.de/2pori)
Autor: Leon Latozke
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