Neues aus Kuba
Aktuelle Nachrichten und Meldungen, Analysen und Hintergrundinformationen
|
Die „Tarifazo“ genannte drastische Erhöhung der Internetpreise in Kuba hat die Einnahmen des staatlichen Telekommunikationsunternehmens ETECSA um mehr als das Fünfzigfache gesteigert. Premierminister Marrero kündigte an, die Mehreinnahmen in die Infrastruktur zu investieren.
Abbildung: Das KI-generierte Symbolbild zeigt keine reale Szene.
Die staatliche Telekommunikationsgesellschaft ETECSA hat nach der im Juni 2025 umgesetzten massiven Erhöhung der Preise für mobiles Internet ihre Deviseneinnahmen um 5.300 Prozent gesteigert. Das teilte Premierminister Manuel Marrero am Mittwoch im Rahmen einer Sitzung des kubanischen Parlaments mit. Seit Inkrafttreten des sogenannten tarifazo belaufen sich die täglichen Deviseneinnahmen des Monopolunternehmens auf durchschnittlich 540.000 US-Dollar – ein dramatischer Anstieg gegenüber den 10.000 Dollar täglich, die vor der Tarifumstellung eingenommen wurden. Insgesamt flossen laut Marrero bereits mehr als 24 Millionen US-Dollar in die Staatskassen.
Der Premier verteidigte die Maßnahme als notwendig, um die „schrittweise Wiederherstellung der Telekommunikationsinfrastruktur“ zu finanzieren. Dennoch steht das drastische Preismodell in der Kritik – selbst innerhalb regierungsnaher Organisationen. Die Föderation der Universitätsstudenten (FEU), ein zentraler Bestandteil der offiziellen Jugendstruktur, nannte die Tariferhöhung eine „riesige Respektlosigkeit gegenüber dem kubanischen Volk“. Die Umstellung der Internetpreise ist Bestandteil eines umfassenden wirtschaftlichen Anpassungsplans, den Marrero bereits im Dezember 2023 angekündigt hatte. Dieser Plan sieht eine drastische Reduktion staatlicher Ausgaben und deutliche Preisanstiege in mehreren Bereichen vor. Besonders kritisch wird die Maßnahme deshalb gesehen, weil sie in einer Phase wirtschaftlicher Not umgesetzt wurde – mit rückläufigem Tourismus, abnehmenden Devisenzuflüssen durch Auslandsüberweisungen und gravierendem Mangel an Lebensmitteln und Treibstoff. Während das kubanische Durchschnittsgehalt bei umgerechnet etwa 48 US-Dollar im Monat liegt, beginnen die neuen Preise für mobile Daten bei rund 28 US-Dollar für ein 3-GB-Paket und reichen bis zu 98 US-Dollar für 15 GB. Der maximale Betrag, der pro Monat in Landeswährung für eine Internetaufladung ausgegeben werden kann, beträgt 360 Pesos – etwa drei US-Dollar zum offiziellen Kurs – beinhaltet aber kein reguläres Datenpaket und allenfalls minimale, zeitlich begrenzte Zusatzoptionen, z. B. Messaging-only-Pakete, falls verfügbar. Wer größere Datenpakete nutzen will, muss daher in Devisen bezahlen. Das neue Modell setzt damit de facto eine teilweise Dolarisierung der Telekommunikationsdienste durch – ein Trend, der sich in mehreren Bereichen der kubanischen Wirtschaft beobachten lässt. Mit dem Rückgang traditioneller Einnahmequellen wie Tourismus und Auslandsgeldüberweisungen sucht die Regierung verstärkt nach Wegen, um an harte Währung zu gelangen, die sie zur Finanzierung von Importen dringend benötigt. ETECSA rechtfertigte den Preisanstieg mit dem hohen Schuldenstand des Unternehmens sowie dem starken Rückgang an Deviseneinnahmen – eine Abnahme von etwa 60 Prozent – insbesondere aus internationalen Aufladungen. Kritiker werfen dem Konzern jedoch vor, die Situation der Bevölkerung nicht ausreichend zu berücksichtigen. Immer wieder wird hervorgehoben, dass ETECSA als staatliches Monopol keinerlei marktwirtschaftlichen Wettbewerb kennt und daher keinerlei Druck verspürt, Effizienz, Servicequalität oder Preise zu verbessern. Die politische Brisanz der Maßnahme zeigt sich auch daran, dass selbst regierungsnahe Institutionen offen Kritik äußern. So äußerten Vertreter der Föderation Universitärer Studenten (FEU) Unmut über die Maßnahme und bezeichneten sie als respektlos gegenüber der Bevölkerung – insbesondere für junge Kubanerinnen und Kubanern, für die mobiles Internet oft das einzige Fenster zur Außenwelt darstellt. Ob die angekündigte Verwendung der Mehreinnahmen zur Verbesserung der Netzwerke und Dienste tatsächlich erfolgen wird, bleibt abzuwarten. In der Vergangenheit wurden vergleichbare Ankündigungen oft nicht oder nur unzureichend umgesetzt. Bis dahin bleibt für viele Kubaner der Zugang zum Internet ein kostspieliges Gut – und die Frage unbeantwortet, ob das Land mit einem digitalisierten Staatsmonopol wirklich den Sprung in eine moderne Informationsgesellschaft schafft.
Quelle: Prensa Latina (https://t1p.de/y0jlt)
Anzeige (G2)
|
|
Letzte Meldungen
Text: Leon Latozke
Anzeige (G1)
(adsbygoogle = window.adsbygoogle || []).push({});
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |
|
|
| Anzeige (G3) |