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Ein kubanischer Migrant ist in einem ICE-Lager in Texas unter umstrittenen Umständen gestorben. Offizielle Stellen sprechen von einem Suizidversuch, Augenzeugen berichten von Gewalt durch das Wachpersonal.
21.01.2026 05:00 Uhr
Abbildung: Das KI-generierte Symbolbild zeigt keine reale Szene.
In Texas ist ein kubanischer Migrant unter umstrittenen Umständen in einem Lager der US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE gestorben. Der 55-jährige Geraldo Lunas Campos verstarb im Camp East Montana auf dem Militärstützpunkt Fort Bliss in El Paso. Nach Angaben des Bezirksgerichtsmediziners deutet vieles darauf hin, dass der Tod durch äußere Einwirkung verursacht wurde. Der Arzt nannte als vorläufige Todesursache „Erstickung durch Druck auf Hals und Brust“.
Die US-Behörden präsentieren eine andere Darstellung. ICE teilte mit, Lunas Campos habe am Tag seines Todes für Unruhe gesorgt, während er in der Warteschlange für Medikamente stand. Daraufhin sei er in Einzelhaft genommen worden, woraufhin eine „medizinische Notlage“ eingetreten sei. Tricia McLaughlin, stellvertretende Ministerin im Heimatschutzministerium, erklärte, Lunas Campos habe versucht, sich das Leben zu nehmen, während die Wärter eingegriffen hätten. „Während des darauf folgenden Kampfes hörte Campos auf zu atmen und verlor das Bewusstsein“, heißt es in ihrer Stellungnahme. Diese Darstellung wird von Augenzeugen bestritten. Zwei Insassen, darunter ein weiterer Kubaner, berichteten, Lunas Campos sei von Wärtern zu Boden gebracht und in einen Würgegriff genommen worden, bis er bewusstlos wurde. Die beiden Zeugen sollen abgeschoben werden, was ihre Aussage vor Gericht verhindern könnte. Lunas Campos ist einer von insgesamt 32 Migranten, die 2025 in ICE-Haft gestorben sind. Damit war das vergangene Jahr das tödlichste in fast zwei Jahrzehnten. Bereits in den ersten zwei Wochen des Jahres starben fünf Insassen unter ähnlichen Umständen. Menschenrechtsorganisationen, darunter die American Civil Liberties Union (ACLU), verweisen auf ein Muster systematischer Gewalt und Misshandlung in ICE-Lagern und kritisieren fehlende Kontrollmechanismen. Auch die Bedingungen im Camp East Montana stehen im Fokus. Das Zeltlager wurde im August 2025 eröffnet, obwohl Kongressabgeordnete und Menschenrechtsorganisationen vor den Risiken warnten. Der Bauauftrag über 1,2 Milliarden US-Dollar ging an ein Unternehmen ohne nachweisbare Erfahrung im Betrieb von Justizvollzugsanstalten. Das Lager fasst derzeit über 2.700 Insassen, ausgelegt ist es für 5.000, was es zum größten Abschiebegefängnis der USA macht. Die Todesfälle werfen ein Schlaglicht auf die US-Migrationspolitik und die Haftbedingungen von Migranten. Während die Behörden Selbstmordversuche als Ursache anführen, betonen Experten die Rolle von Überbelegung, unzureichend geschultem Personal und fehlender Rechenschaftspflicht. Für die kubanische Gemeinschaft in den Vereinigten Staaten sind diese Ereignisse von besonderer Bedeutung. Die Fälle betreffen vor allem Migranten aus Lateinamerika, die in vielen Fällen nur eingeschränkten rechtlichen Schutz genießen. Organisationen wie die ACLU fordern eine unabhängige Untersuchung und eine Überprüfung der Haftbedingungen.
Dieser Artikel wurde zuerst auf Mundus Novus 24 veröffentlicht.
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