Neues aus Kuba
|
Kuba erlebt im Jahr 2025 einen deutlichen Rückgang im Tourismus: Zwischen Januar und Juli kamen 23,2 Prozent weniger internationale Besucher als im Vorjahreszeitraum. Mit nur 1,1 Millionen Ankünften droht das Regierungsziel von 2,6 Millionen Touristen in weite Ferne zu rücken.
19.08.2025 22:49 Uhr
Der kubanische Tourismussektor, seit Jahrzehnten eine zentrale Säule der Volkswirtschaft, steckt in einer anhaltenden Krise. Nach aktuellen Daten des staatlichen Statistikamts ONEI empfing die Insel zwischen Januar und Juli 2025 lediglich 1.123.987 ausländische Besucher – ein Rückgang von 23,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Damit rückt das Regierungsziel von 2,6 Millionen Touristen für das Gesamtjahr in weite Ferne. Selbst die bereits schwache Marke von 2,2 Millionen Gästen im Jahr 2024 dürfte kaum übertroffen werden. Diese Zahl war die niedrigste seit 17 Jahren, abgesehen von den beiden von der Pandemie besonders stark betroffenen Jahren.
Im Juli registrierte Kuba zwar einen Anstieg der Besucher im Vergleich zu den Vormonaten – 142.131 Ankünfte –, doch auch diese Zahl blieb deutlich hinter den Werten früherer Jahre zurück. Besonders gravierend ist der Einbruch in wichtigen Herkunftsmärkten: Die Zahl russischer Touristen sank um 41,8 Prozent, die von deutschen Gästen um 39,3 Prozent, aus Spanien kamen 28 Prozent weniger Reisende, aus Frankreich 25,5 Prozent weniger und aus Kanada 23,1 Prozent weniger. Nur aus Argentinien und Kolumbien verzeichnete Kuba Zuwächse. Neben den klassischen Herkunftsländern bleibt die kubanische Diaspora ein bedeutender Faktor, doch auch hier ging die Zahl der Besuche um 21,5 Prozent zurück. Die Ursachen für den anhaltenden Rückgang sind vielfältig. Neben der schweren wirtschaftlichen und energiepolitischen Krise, unter der das Land seit Jahren leidet, belasten Flugstreichungen und US-Sanktionen den Tourismussektor zusätzlich. Dabei ist er für die Regierung von zentraler Bedeutung: Einnahmen aus dem Fremdenverkehr zählen neben Dienstleistungen und Geldüberweisungen aus dem Ausland zu den wichtigsten Devisenquellen und tragen erheblich zum Bruttoinlandsprodukt bei. Ein Blick auf die vergangenen Jahre verdeutlicht die Dimension der Probleme. Während 2023 noch 2,4 Millionen ausländische Besucher gezählt wurden, waren es 2022 1,6 Millionen. Vor der Pandemie erreichte Kuba mit 4,6 Millionen Gästen im Jahr 2018 und 4,2 Millionen im Jahr 2019 Rekordwerte, begünstigt durch die Phase der diplomatischen Annäherung an die USA. Seither hat sich die Lage grundlegend verändert. Im regionalen Vergleich fällt Kuba inzwischen deutlich zurück. Während konkurrierende Ziele wie Cancún in Mexiko oder Punta Cana in der Dominikanischen Republik nach der Pandemie wieder Höchststände verzeichnen, stagniert das kubanische Geschäft. Die Diskrepanz verdeutlicht, wie sehr strukturelle Probleme, politische Restriktionen und wirtschaftliche Unsicherheit das Land belasten. Für die kommenden Monate ist kaum mit einer schnellen Erholung zu rechnen. Angesichts der geopolitischen Spannungen, der schwächelnden Infrastruktur und der anhaltenden Energieengpässe bleibt fraglich, ob Kuba überhaupt das Niveau von 2024 erreichen kann. Damit verschärft sich die Krise eines Sektors, der für den Devisenfluss der Insel unverzichtbar ist – und der zugleich für Millionen Kubanerinnen und Kubaner Arbeitsplätze, Einkommen und Hoffnungen auf Besserung verkörpert. Autor: Leon Latozke
Letzte Meldungen
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |


RSS-Feed