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In Santiago de Cuba starb ein fünfjähriger Junge nach der Einnahme von Paracetamol, dessen Haltbarkeitsdatum bereits 2020 abgelaufen war, ein weiteres Kind liegt auf der Intensivstation. Der Vorfall zeigt die Risiken des seit Jahren bestehenden Medikamentenmangels in Kuba.
04.09.2025 17:58 Uhr
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Abbildung: Das KI-generierte Symbolbild zeigt keine reale Szene.
In der ostkubanischen Provinz Santiago de Cuba ist ein fünfjähriger Junge gestorben, nachdem er Paracetamol eingenommen hatte, dessen Haltbarkeitsdatum bereits 2020 abgelaufen war. Ein elfjähriges Kind aus demselben Haushalt musste mit ähnlichen Symptomen in die Intensivstation eingeliefert werden, befindet sich inzwischen jedoch stabil unter Beobachtung. Das teilte das kubanische Gesundheitsministerium (Minsap) am Mittwoch in einer Mitteilung an die Regionalzeitung Sierra Maestra mit.
Nach Angaben der Behörden war das Medikament ein 500-mg-Paracetamol „aus ausländischer Produktion“. Der jüngere Junge hatte zwei Tage lang im Krankenhaus von Songo-La Maya gelegen, bevor er verstarb. Bei Gesprächen mit den Angehörigen stellte sich heraus, dass auch das ältere Kind die abgelaufene Arznei eingenommen hatte und schwere Symptome zeigte. Das Gesundheitsministerium untersucht die Hintergründe und mahnte die Bevölkerung zu größerer Vorsicht beim Umgang mit Arzneimitteln im Haushalt. „Der tragische Vorfall ist ein Weckruf, um die Gesundheitserziehung in den Gemeinden zu stärken und sicheren Zugang zu Medikamenten unter angemessenen Bedingungen zu fördern“, heißt es in der Erklärung. Der Fall lenkt den Blick auf ein Problem, das Millionen Kubaner seit Jahren betrifft: den dramatischen Mangel an Medikamenten. Seit rund fünf Jahren steckt das Land in einer tiefen Wirtschaftskrise, die sich in leeren Apothekenregalen, wiederkehrenden Stromausfällen, hoher Inflation und sinkender Kaufkraft äußert. Viele Basispräparate und chronisch benötigte Medikamente fehlen regelmäßig – sowohl in Apotheken als auch in Krankenhäusern. Um den Bedarf zu decken, greifen viele Familien auf informelle Kanäle zurück. Obwohl der private Verkauf von Arzneien in Kuba illegal ist, hat sich ein florierender Schwarzmarkt entwickelt. In Chatgruppen auf WhatsApp oder Telegram tauschen Kubaner Medikamente, oft organisiert von im Ausland lebenden Landsleuten, die Arzneien sammeln und über Privatpersonen auf die Insel schicken. Eine Packung Paracetamol, ein Antibiotikum oder eine Antipilzcreme kann dort bis zum Zehnfachen des regulären Preises kosten. Die Regierung in Havanna führt die Engpässe auf die verschärften US-Sanktionen zurück. Diese erschwerten den Import von Medikamenten, Rohstoffen, Technologie und medizinischen Geräten, blockierten Finanztransaktionen mit Drittländern und behinderten Forschung und Entwicklung. Kritiker verweisen jedoch darauf, dass neben den Sanktionen auch strukturelle Probleme und ineffiziente Verteilungsmechanismen das Versorgungssystem schwächen. Der Tod des Kindes und die lebensbedrohliche Vergiftung des zweiten Betroffenen machen die Gefahren dieser Mangelsituation deutlich. Wenn Familien auf abgelaufene Medikamente zurückgreifen müssen oder sich auf informelle Märkte verlassen, steigt das Risiko schwerer Gesundheitsfolgen erheblich. Das Gesundheitsministerium will nach eigenen Angaben nun prüfen, wie sich Aufklärung und Zugang zu sicheren Arzneien verbessern lassen, um ähnliche Tragödien in Zukunft zu verhindern
Quelle: EFE
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Text: Leon Latozke
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