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Trotz massiver staatlicher Zahlungsausfälle halten ausländische Unternehmen, vor allem aus China, an ihrem Engagement in Kuba fest. Auf der FIHAV 2025 präsentierten sie ihre Produkte und betonten die Chancen im wachsenden privaten Sektor. Kuba bleibt ein Markt mit hohem Risiko, aber auch großem Potenzial.
29.11.2025 09:47 Uhr
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Die 41. Ausgabe der Die Internationale Messe von Havanna (FIHAV) 2025, die vom 24. bis zum 29. November stattfindet, offenbart einmal mehr die komplexe Lage der kubanischen Wirtschaft und die paradoxe Rolle ausländischer Investoren auf der Insel. Unter den 715 teilnehmenden Unternehmen stachen insbesondere die zahlreichen chinesischen Firmen hervor, die trotz seit Jahren offener Zahlungen durch den kubanischen Staat weiter in Kuba tätig sind. Allein die staatliche China Auto Caiec, die seit 1995 auf der Insel präsent ist, hat sich zu einem der größten Lieferanten für Fahrzeuge, Maschinen, Nahrungsmittel und landwirtschaftliche Ausrüstungen entwickelt – und zugleich Forderungen in Höhe von rund 200 Millionen US-Dollar angesammelt, die seit 2015 bestehen.
Bei der Eröffnung von Kubas bedeutendsten Handelsmesse, die als eine der wichtigsten Geschäftsveranstaltungen in der Karibik und Lateinamerika gilt, betonte Präsident Miguel Díaz-Canel, dass viele dieser Unternehmer trotz ausstehender Zahlungen an Kuba festhalten, weil sie Vertrauen in das Land und die Perspektive langfristiger Zusammenarbeit haben. Diese Verbindungen reichen häufig Jahrzehnte zurück, und die Geschäftsbeziehungen haben sich zu einem integralen Bestandteil der unternehmerischen Aktivitäten und persönlichen Bindungen entwickelt. Vertreter wie Wu Han von China Auto Caiec geben zu, dass der Verbleib ihrer Büros in Kuba nicht nur der Hoffnung auf Rückzahlung dient, sondern auch, weil der kubanische Markt weltweit eine besondere Stellung einnimmt: Die Insel importiert einen Großteil ihrer Güter, und der wachsende private Sektor eröffnet neue Absatzmöglichkeiten. Dieser private Sektor, insbesondere Mikro-, Klein- und Mittelunternehmen (MIPYMES), hat in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Seit der Zulassung privater Unternehmen im Jahr 2021 sind bis 2024 rund 11.000 MIPYMES genehmigt worden, von denen mehr als 9.000 aktiv operieren. Sie haben mittlerweile 55 Prozent des Einzelhandels in kubanischen Pesos übernommen und übertreffen damit erstmals die staatlichen Handelsnetzwerke. Auch chinesische Unternehmen wie Zhaoke und Liaoning Mec Group suchen zunehmend Kooperationen mit diesem Sektor, nachdem die staatliche Industrie als Hauptabnehmer durch die wirtschaftliche Krise stark geschrumpft ist. Während Zhaoke in früheren Jahren Umsätze von 23 Millionen US-Dollar erzielte, liegt der Umsatz heute unter einer Million, was die Anpassung an den wachsenden privaten Markt notwendig macht. Die kubanische Regierung unterstreicht die Relevanz dieser Entwicklung und strebt eine systematische Integration des privaten Sektors in die Außenwirtschaft an. Vizepremier und Außenhandelsminister Oscar Pérez-Oliva betonte beim Investitionsforum der Messe, dass die Regierung derzeit einen Rechtsrahmen für die Beteiligung ausländischer Investoren an MIPYMES vorbereitet. Bisher ist es ausländischen Firmen nicht möglich, direkt in private kubanische Unternehmen zu investieren oder gemischte Unternehmen ohne staatliche Intermediäre zu gründen. Die neuen Regelungen sollen diese Restriktionen aufheben, die Prozesse vereinfachen und Investoren mehr Autonomie einräumen. Dazu gehört unter anderem die Möglichkeit, Bankkonten im Ausland zu führen, Personalentscheidungen eigenständig zu treffen und Produkte sowie Dienstleistungen auf dem nationalen Markt frei zu vertreiben. Die Messe selbst bot darüber hinaus Einblicke in die Bemühungen Kubas, den Wirtschaftssektor zu diversifizieren und international zu vernetzen. Themen wie erneuerbare Energien, Anwendungen künstlicher Intelligenz, Exportpotenziale aller Provinzen sowie Tourismusförderung dominierten die Foren. Die Regierung genehmigte 2025 bereits 32 neue Investitionsprojekte aus 13 Ländern mit einem zugesagten Kapital von 1,1 Milliarden US-Dollar, wobei zehn Projekte über neue, vereinfachte Verfahren direkt von staatlichen Organen betreut wurden. Trotz dieser Fortschritte bleibt die wirtschaftliche Lage Kubas fragil. Die jahrzehntelange zentralisierte Planwirtschaft, die durch die Krise der 1990er-Jahre erste Öffnungen erfuhr, kann nur schrittweise durch private Initiativen und gezielte ausländische Investitionen ergänzt werden. Die Integration des wachsenden privaten Sektors in die nationale Wirtschaftsstrategie wird entscheidend dafür sein, ob Kuba seine ökonomischen Herausforderungen überwinden kann. Die Fihav 2025 macht jedoch deutlich: Internationale Unternehmen, insbesondere aus China, setzen weiterhin auf Kuba – selbst inmitten von Schulden und wirtschaftlicher Unsicherheit – und erkennen Chancen in einem Markt, den die staatliche Wirtschaft allein nicht bedienen kann. Diese Ambivalenz zwischen staatlicher Zahlungsunfähigkeit, fortbestehender ausländischer Präsenz und der dynamischen Entwicklung der MIPYMES prägt den kubanischen Wirtschaftsraum heute. Für Investoren gilt Kuba als riskant, zugleich aber als einzigartiger Markt, dessen Bedarf an Importen und neuen Geschäftsmodellen kontinuierlich wächst. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die angekündigten rechtlichen Reformen und die stärkere Einbindung des privaten Sektors die gewünschten Impulse setzen können, um den Inselstaat langfristig wirtschaftlich stabiler zu machen.
Quelle: IPS (https://t1p.de/nr85z)
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Text: Leon Latozke
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