Neues aus Kuba
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20.05.2026 09:00 Uhr
Die USA planen eine Anklage gegen den 94-jährigen Ex-Präsidenten Raúl Castro wegen des Abschusses zweier Flugzeuge im Jahr 1996. Analysten sehen darin ein symbolisches Druckmittel.
Abbildung: Symbolbild. The White House, President Donald J. Trump, 2025, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons
Die US-Justiz steht offenbar kurz davor, ein Verfahren gegen den früheren kubanischen Präsidenten Raúl Castro einzuleiten. Der 94-jährige Revolutionsführer soll wegen eines Vorfalls aus dem Jahr 1996 angeklagt werden, bei dem kubanische Kampfjets zwei Flugzeuge der Miami-Exilgruppe "Brothers to the Rescue" über internationalen Gewässern abschossen. Laut Berichten von Reuters und Associated Press könnte die Anklageerhebung am Mittwoch (20.), dem kubanischen Unabhängigkeitstag, erfolgen. Analysten sehen darin vor allem ein symbolisches Manöver der Trump-Administration, um den politischen Druck auf die Insel weiter zu erhöhen – schließen aber nicht aus, dass die Aktion als Vorwand für gewaltsame Maßnahmen dienen könnte.
Mark Entwistle, der 1996 als kanadischer Botschafter in Havanna tätig war, beschreibt die erwartete Anklage als "politisches Managementinstrument", das weniger auf eine militärische Operation abziele, wie sie zuletzt gegen den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro im Januar durchgeführt wurde. Dennoch, so Entwistle, sei unter Präsident Donald Trump alles möglich: "Der Präsident braucht einen Erfolg im Fall Kuba. Der Iran läuft nicht gut." Die USA hätten die Kubaner ähnlich falsch eingeschätzt wie die Iraner vor dem Kriegsausbruch mit Israel im Februar. "Die gängige amerikanische Geheimdienstanalyse besagt, dass Kuba so geschwächt ist, dass es zusammenbrechen wird. Aber das ist nicht passiert. Die Kubaner sind bemerkenswert widerstandsfähig." Der Vorfall von 1996 bleibt ein zentrales Trauma in den Beziehungen zwischen beiden Ländern. Die Exilorganisation "Brothers to the Rescue" hatte mehrfach Flugzeuge über Havanna eingesetzt und regimekritische Flugblätter abgeworfen. Kuba betrachtete die Gruppe als paramilitärische Terrororganisation und nationale Sicherheitsbedrohung und warnte die USA vor den Folgen weiterer Luftraumverletzungen. Raúl Castro, damals Oberbefehlshaber des kubanischen Militärs, trug die Verantwortung für den Abschuss der beiden Maschinen. John Kirk, ehemaliger Lateinamerika-Professor an der Dalhousie University, interpretiert die geplante Anklage als Teil einer Strategie des "Todes durch tausend Nadelstiche". Bereits jetzt leiden die Kubaner unter einer Treibstoffblockade, die zu täglichen Stromausfällen von über 20 Stunden führt. Das Land habe nach Angaben des Energieministers kein Diesel und Heizöl mehr, was Tausende von Operationen und medizinischen Behandlungen verzögere. "All diese Maßnahmen bauen sich zu einem Crescendo auf", sagt Kirk. "Die USA suchen nach einem Mix aus Druckmitteln, um das Land zu destabilisieren." Besonders treibend für die aggressive Gangart sei Außenminister Marco Rubio, dessen Eltern aus Kuba stammen und dessen gesamte politische Karriere auf antikommunistischer Rhetorik basiere. Trump wiederum wolle aus Eitelkeit einen historischen Erfolg erzielen: die Beendigung des kubanischen Revolutionsprozesses, was keinem US-Präsidenten zuvor gelungen sei. Gleichzeitig habe Trump nie einen Hehl daraus gemacht, dass er amerikanische Wirtschaftsinteressen auf der Insel voranbringen möchte. Der Politikwissenschaftler Alejandro Magos von der Universität Toronto bezeichnet die Anklage gegen Raúl Castro als "symbolischen Akt, der das gesamte Regime treffen soll". Da Fidel Castro nicht mehr vor Gericht gestellt werden könne, diene sein Bruder als Stellvertreter für einen Sieg, der den USA seit Jahrzehnten verwehrt geblieben sei. Mit Blick auf die Zwischenwahlen im November brauche Trump ein sichtbares Zeichen des Erfolgs. Die Anklage sei "ein weiteres Werkzeug" in einer mehrgleisigen Strategie, die rechtliche, politische und diplomatische Mittel kombiniere, um den Druck auf die kommunistische Regierung zu maximieren. Magos betont, dass Kuba für viele Menschen in Amerika weiterhin eine "romantische antiimperialistische, antikapitalistische und antiglobalistische" Symbolkraft besitze. Trump wolle mit der Aktion unmissverständlich klarstellen: "Die Ära der revolutionären linken Guerillas ist endgültig vorbei. Amerika ist zurück." Die geplante Anklage ist somit mehr als ein juristischer Schritt – sie ist Teil einer umfassenden politischen Inszenierung, die das Ende einer Ära markieren soll. Ob dies gelingt, bleibt angesichts der kubanischen Widerstandsfähigkeit fraglich. Sicher ist nur: Der Druck auf Havanna wird weiter steigen, und die Welt blickt gespannt auf das nächste Kapitel eines jahrzehntealten Konflikts.
Quelle: CBC (https://t1p.de/5c2wy)
Autor: Leon Latozke
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