Neues aus Kuba
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04.05.2026 19:00 Uhr
Die kubanisch-amerikanische Diaspora in Miami macht Trump klar: Nur ein vollständiger Regimewechsel auf Kuba ist akzeptabel. Trotz harter Sanktionen und Verhandlungen mit Havanna fürchten Aktivisten einen faulen Kompromiss.
Abbildung: Symbolbild Demonstration gegen die kubanische Regierung in Naples, Florida. (2021). Bildquelle P,TO 19104, Zuschnitt KUBAKUNDE, CC BY-SA 4.0
Die einst so verlässliche politische Basis von US-Präsident Donald Trump in Florida beginnt zu bröckeln. Wie das Nachrichtenportal Politico berichtet, steht die einflussreiche kubanisch-amerikanische Gemeinschaft in South Florida zunehmend im Konflikt mit der Trump-Administration. Der Grund: Aus Sicht der Exil-Kubaner verfolgt das Weiße Haus einen zu zögerlichen Kurs beim Sturz des kommunistischen Regimes auf Kuba.
Demnach hat die Diaspora einen intensiven öffentlichen Druck auf die Regierung in Washington aufgebaut. Mit Aktionen wie Gebetsversammlungen, Autokorsos durch die Straßen Miamis und einem Forderungskatalog namens „Freedom Accord“ machen die Aktivisten unmissverständlich klar: Sie erwarten einen vollständigen Regimewechsel in Havanna – und keinen faulen Kompromiss. Die wachsenden Spannungen zwischen der republikanisch geprägten Exilgemeinde und der Trump-Administration haben einen konkreten Auslöser. Zwar habe die Regierung eine Energieblockade gegen Kuba verhängt und die Sanktionen verschärft, doch gleichzeitig verhandele sie mit dem Regime von Präsident Miguel Díaz-Canel. Sowohl Trump als auch Außenminister Marco Rubio, selbst Sohn kubanischer Einwanderer, signalisierten, dass sie sich vorerst mit Wirtschaftsreformen zufriedengeben könnten – eine Position, die in Miami auf scharfe Ablehnung stoße. „Die kubanische Exilgemeinde sagt: Es wird keine echten wirtschaftlichen Veränderungen geben, bis es echte politische Veränderungen gibt“, zitiert Politico Orlando Gutiérrez-Boronat, Generalsekretär der Assembly of the Cuban Resistance (Versammlung des kubanischen Widerstands - ACR), eines ein einflussreichen Bündnis aus über 50 Oppositionsgruppen innerhalb und außerhalb Kubas. Besonders deutlich wurde die republikanische Senatorin Ileana Garcia. Sie warnte, dass Trumps geplante Präsidentenbibliothek in der Innenstadt von Miami zu einem „Schandfleck“ werden könnte, falls die USA nicht militärisch eingriffen oder einen Plan zum „Sturz des Regimes“ vorlegten. Untätigkeit in der Kuba-Frage werde „definitiv“ das Wahlverhalten in South Florida beeinflussen, „besonders nach Jahren der Rhetorik und Versprechungen“, so Garcia. Das politische Klima wird durch die Erfahrungen in Venezuela zusätzlich angeheizt. Trump hatte im Januar den autokratischen Führer Nicolás Maduro abgesetzt, dabei aber weite Teile des Regimes für wirtschaftliche Zugeständnisse an der Macht belassen. Ein ähnliches Ergebnis auf Kuba, so die Befürchtung der Exilkubaner, wäre für sie inakzeptabel. Eine Umfrage des „Miami Herald“ unter kubanischen Exilanten habe ergeben, dass 78 Prozent mit reinen Wirtschaftsreformen unzufrieden wären. Eine deutliche Mehrheit befürworte sogar eine militärische Intervention. Die kubanisch-amerikanische Gemeinschaft stellt einen politisch mächtigen Block im Swing State Florida dar und gilt als eine der treuesten Stützen Trumps. Die Begeisterung der Kubaner habe maßgeblich dazu beigetragen, dass die Republikaner in South Florida Fuß fassen konnten, das eine Hochburg der Demokraten war. Viele Kubaner seien zwar begeistert gewesen, dass Trump Marco Rubio zum Außenminister ernannte, dennoch wachse die Skepsis. Ein mit den Vorgängen vertrauter politischer Berater in Florida formulierte es unverblümt: „Die Leute vor Ort sind sehr skeptisch, dass Trump und Rubio etwas hinbekommen, das für die Gemeinschaft akzeptabel ist.“ Die Exilaktivisten verweisen auf die tiefe Korruption auf der Insel, die durch das Regime angeheizt werde, und bestehen darauf, dass nur eine vollständige Demokratisierung – mit freien Wahlen, Rechenschaftspflicht und humanitärer Hilfe – den Namen Freiheit verdiene. Rosa María Payá, Leiterin der prodemokratischen Gruppe Cuba Decide, unterstrich, dass der „Freedom Accord“, der von mehr als 70 Oppositionsgruppen unterzeichnet wurde, die Position der Diaspora „unmissverständlich“ mache. Es gehe um einen Übergang zur Demokratie, „nicht um eine Umbenennung des Regimes, das unser Land seit 1959 in Geiselhaft hält“. Die Trump-Administration zeigt sich unterdessen gespalten. Ein mit den internen Überlegungen vertrauter Mitarbeiter der Regierung beschrieb die Aktivitäten der Diaspora als „zweischneidiges Schwert“. Zwar setzten sie Druck auf das Regime, doch müsse man pragmatisch sein, da das Regime Druck bereits seit 70 Jahren überlebt habe. Man erwäge zwar auch „kinetische Gewalt“, also militärische Optionen, der Schwerpunkt liege jedoch auf Diplomatie und Wirtschaftsreformen. Dazu gehörten die Privatisierung staatlicher Unternehmen, mehr ausländische Investitionen und ein besserer Internetzugang für Kubaner. Einem US-Beamten zufolge, der mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut sei, stehe Kuba vor einer tiefgreifenden Krise. Die Unterbrechung der Öllieferungen aus Venezuela habe die Insel in eine schwere Energiekrise gestürzt, die zu stundenlangen Blackouts geführt habe. „Es fühlt sich an, als würde früher oder später ein Ventil platzen“, zitierte das Politico den Beamten, der allerdings die Wahrscheinlichkeit von Massenprotesten angesichts früherer Sicherheitsmaßnahmen des Regimes als gering einschätzte. Trotz der wachsenden Frustration zeigt sich die Diaspora geduldig. Der republikanische Abgeordnete Mike Redondo aus Miami, dessen Eltern aus Kuba stammen, sprach von einem „verhaltenen Optimismus“, der so stark sei wie nie zuvor in seinem Leben. „Die kubanische Diaspora wurde in der Vergangenheit oft enttäuscht“, räumte er ein. Der Druck auf Trump und Rubio wird jedoch nicht nachlassen – die Präsidentenbibliothek in Miami könnte zur symbolischen Bühne eines erbitterten Machtkampfs werden.
Quelle: Politico (https://t1p.de/u6ygw)
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