Neues aus Kuba
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21.05.2026 12:00 Uhr
Washington erhöht den Druck auf Kuba: Der Flugzeugträger „USS Nimitz“ und mehrere weitere Schiffe erreichen die Karibik. Hinzu kommt eine öffentliche Mordanklage gegen Ex-Präsident Raúl Castro.
Der Druck auf Kuba wächst: Mit der Verlegung des Flugzeugträgers „USS Nimitz“ und mehrerer Begleitschiffe in die Karibik hat die US-Regierung ihre militärische Präsenz in unmittelbarer Nähe des Inselstaates deutlich verstärkt. Neben der offenen Machtdemonstration auf See setzen Washington und sein Präsident Donald Trump zugleich auf politische und juristische Hebel, um die Führung in Havanna unter Druck zu setzen. Wie das US-Portal „The Hill“ berichtet, stehen dabei weitreichende Maßnahmen im Raum, die über reine Drohgebärden hinausgehen. Bereits in den vergangenen Tagen war eine Zunahme der US-Präsenz in der Region zu verzeichnen: Neben der „USS Nimitz“ kreuzten auch die amphibischen Angriffsschiffe „USS Iwo Jima“ und „USS Fort Lauderdale“ sowie die Lenkwaffenkreuzer „USS Lake Erie“ und die Korvette „USS Billings“ in karibischen Gewässern.
Die Trägergruppe um die „Nimitz“ verfügt über eine erhebliche Schlagkraft. Zu ihrem Verband gehören der Zerstörer „USS Gridley“ und das Versorgungsschiff „USNS Patuxent“. Laut der „New York Post“ befinden sich an Bord des Flugzeugträgers mehrere Staffeln moderner Kampfflugzeuge, darunter F/A-18 Super Hornets, EA-18G Growler für elektronische Kampfführung, E-2D Hawkeye Frühwarnflugzeuge, C-2A Greyhound Transporter sowie eine Vielzahl von MH-60R/S Sea Hawk Hubschraubern. Das zuständige US-Südkommando bezeichnete den Verband als besonders schlagkräftig und einsatzbereit. Die „Nimitz“ habe ihre Kampfkraft weltweit bereits unter Beweis gestellt, hieß es in einer offiziellen Mitteilung. Erst in der Vorwoche hatte der Flugzeugträger gemeinsam mit der brasilianischen Marine vor Rio de Janeiro geübt, bevor er in die aktuellere Position nordöstlich Kubas verlegte. Die militärische Eskalation wird von einer politischen Offensive begleitet. Zeitgleich mit der Ankunft der Schiffe wurde in den USA eine Anklage gegen den ehemaligen kubanischen Präsidenten Raúl Castro öffentlich gemacht. Diese bezieht sich unter anderem auf Mordvorwürfe im Zusammenhang mit dem Abschuss zweier ziviler Flugzeuge im Jahr 1996 über internationalen Gewässern. Bei dem Vorfall kamen vier Menschen ums Leben. US-Präsident Trump äußerte sich am Mittwoch zu dem Thema und erklärte, man „denke“ derzeit an Kuba. Die Anklage sei „sehr wichtig“, betonte er. Ein unmittelbarer Militärschlag gegen Kuba sei jedoch nicht geplant, eine weitere Eskalation nicht nötig. Zugleich beschrieb Trump die Lage auf der Insel als chaotisch. In einer seltenen direkten Ansprache auf Spanisch wandte sich US-Außenminister Marco Rubio, selbst kubanischstämmig, an die Bevölkerung Kubas. Er stellte eine neue, bessere Beziehung zu den USA in Aussicht, sofern sich die politischen Verhältnisse ändern. Gleichzeitig stellte er sich hinter die harte Linie gegen Treibstofflieferungen und machte die Regierung in Havanna für die anhaltenden, lähmenden Stromausfälle verantwortlich. Der Konflikt zwischen Washington und Havanna hatte sich nach der Festnahme von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro zu Jahresbeginn dramatisch verschärft. Kuba, ein enger Verbündeter Venezuelas, steht seitdem im Fokus einer schrittweisen US-Kampagne. Anfang Januar warnte Außenminister Rubio, die kubanische Führung stecke „in großen Schwierigkeiten“. Kurz darauf forderte Trump die Inselregierung auf, „einen Deal mit den USA zu machen“. Ende Januar folgten drastische Strafzölle gegen Länder, die Kuba weiterhin mit Öl beliefern – ein schwerer Schlag für die ohnehin von extremer Energieknappheit geplagte Wirtschaft. Im Februar sprach Trump dann öffentlich von einer möglichen „freundlichen Übernahme“ Kubas. Im März bestätigte Präsident Miguel Díaz-Canel erstmals direkte Gespräche zwischen beiden Nationen, betonte jedoch, er werde nicht zurücktreten und Kuba müsse sich auf alle Eventualitäten vorbereiten. Diese Dynamik erreichte in der vergangenen Woche einen neuen Höhepunkt, als CIA-Chef John Ratcliffe persönlich nach Havanna reiste. Wie „The Hill“ unter Berufung auf Teilnehmer berichtet, ließ er bei hochrangigen Gesprächen keine Zweifel daran, dass Washington in dieser Sache nicht mehr lange auf konkrete Ergebnisse warten werde.
Quelle: EL PAÍS (https://t1p.de/54ugc)
Autor: Leon Latozke
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