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Nach den schweren Verwüstungen durch Hurrikan Melissa hat der Osten Kubas internationale Unterstützung erhalten: Die Vereinten Nationen in Kuba starten gemeinsam mit den Behörden einen Nothilfeplan über 74 Millionen US-Dollar. Während weiterhin Zehntausende ohne Strom oder Unterkunft sind, konzentrieren sich die Hilfsmaßnahmen auf Wasser, Ernährung, Gesundheit und den Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur.
06.11.2025 06:54 Uhr
Abbildung: UN-Situation Report 5.11.2025
Eine Woche nach dem Durchzug von Hurrikan Melissa wird das Ausmaß der Zerstörung in Ostkuba immer deutlicher. Laut Berichten des Zivilschutzes sind weiterhin mehr als 50 Gemeinden in den Provinzen Granma, Santiago de Cuba, Guantánamo, Holguín und Las Tunas von der Außenwelt abgeschnitten. Überschwemmungen, Erdrutsche und über die Ufer getretene Flüsse machen eine Rückkehr der Evakuierten unmöglich. Rund 120.000 Menschen befinden sich nach wie vor in Notunterkünften.
Der Wirbelsturm, einer der verheerendsten der vergangenen Jahre, hat in den betroffenen Regionen schwere Schäden an der Infrastruktur verursacht. Wie die UN in ihrem aktuellsten Situation Report unter Berufung auf offiziellen Angaben berichtet wurden mehr als 60.000 Wohnhäuser beschädigt, die meisten durch abgedeckte Dächer oder eingestürzte Wände. Besonders hart getroffen wurden Schulen und Gesundheitseinrichtungen: 1.552 Bildungseinrichtungen – fast ein Drittel aller Schulen der Region – sind betroffen, der Unterricht bleibt in mehreren Provinzen auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Zudem wurden 461 medizinische Einrichtungen, darunter Krankenhäuser, Polikliniken und Apotheken, in Mitleidenschaft gezogen. In der Provinz Santiago de Cuba ist die Lage besonders kritisch. Nur drei Prozent der Stromversorgung ist derzeit wieder ans Netz angeschlossen, und auch die Telekommunikation liegt weitgehend lahm. Lediglich drei Prozent der Festnetzanschlüsse und 18 Prozent der Mobilfunkstationen sind funktionsfähig. Nach Angaben der Behörden wurden über 1.000 Strommasten, 400 Telefonkabel, 60 Glasfaserleitungen und sechs Sendemasten zerstört. Die Wiederherstellung dieser Infrastruktur werde Wochen dauern, was die Informationslage für die Bevölkerung erheblich erschwert. Auch die Landwirtschaft hat schwere Einbußen erlitten. Landesweit sind 78.700 Hektar Anbaufläche zerstört, mehr als die Hälfte davon Bananenplantagen. Allein in der Provinz Granma fielen über 28.000 Rinder und unzählige Kleintiere den Fluten zum Opfer. Rund 110.000 Liter Milch konnten nicht abgeholt werden. Die Ernteverluste treffen Kuba in einer ohnehin angespannten Ernährungslage und verschärfen die Probleme der landesweiten Lebensmittelversorgung. Die kubanischen Behörden konzentrieren sich derzeit auf die Versorgung abgeschnittener Gemeinden mit Nahrungsmitteln, Trinkwasser und Medikamenten. Handelsbetriebe wurden beauftragt, gezielt Hilfsgüter an besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen zu verteilen. Parallel dazu laufen Entwässerungs- und Reinigungsarbeiten in den überfluteten Gebieten. Das Nationale Institut für Wasserressourcen hat Reparaturbrigaden entsandt, um Pumpstationen instand zu setzen und die Trinkwasserversorgung zu sichern. Inzwischen wurden sieben Pumpwerke wieder in Betrieb genommen. Auch im Energiesektor schreitet die Wiederherstellung schrittweise voran, insbesondere in Las Tunas, Holguín und Guantánamo. Kritische Einrichtungen wie Krankenhäuser werden derzeit mit Notstromaggregaten versorgt. Das Landwirtschaftsministerium mobilisiert spezialisierte Teams zur Reparatur von Dächern, Bewässerungsanlagen und landwirtschaftlichen Geräten. Zudem wird medizinische Betreuung in den Notunterkünften gewährleistet, während Hygienemaßnahmen Krankheiten vorbeugen sollen. Über 100 Schulen dienen weiterhin als Evakuierungszentren für etwa 14.000 Menschen. Am 5. November stellten die UN-Organisationen in Kuba gemeinsam mit den nationalen Behörden einen „Aktionplan“ vor, um die humanitäre Reaktion zu koordinieren. Der Plan umfasst sechs Schwerpunkte – Wasser und Sanitärversorgung, Unterkunft, Bildung, Logistik, Gesundheit sowie Ernährungssicherheit – und soll rund eine Million Menschen zugutekommen. Dafür sollen 74,2 Millionen US-Dollar mobilisiert werden. Mehrere UN-Organisationen beteiligen sich mit gezielten Hilfsprogrammen: UNICEF liefert Hilfsgüter für etwa 21.000 Kinder und Jugendliche sowie Wasseraufbereitungsanlagen, die täglich bis zu 16.000 Menschen versorgen können. Zudem werden Schulmaterialien und wetterfeste Decken für mehr als 31.000 Kinder bereitgestellt. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) schickt Tausende Wellblechplatten, Planen, Werkzeugsätze, Motorsägen und Generatoren in die betroffenen Provinzen. Das Bevölkerungsfondsprogramm UNFPA stellt medizinische Ausstattung zur Verbesserung der reproduktiven Gesundheit bereit und arbeitet mit anderen Organisationen an Schutzmaßnahmen gegen geschlechtsspezifische Gewalt. Das Welternährungsprogramm (WFP) liefert Lagerzelte, Beleuchtungstürme und mobile Lagerhäuser nach Santiago de Cuba, Holguín und Granma, während die FAO landwirtschaftliche Werkzeuge, Tierfutter und Fischereigeräte bereitstellt. Die Europäische Union beteiligt sich über den Katastrophenschutzmechanismus mit Hilfslieferungen und humanitären Flügen. Zudem stellt die Europäische Kommission (ECHO) zwei Millionen US-Dollar für Soforthilfemaßnahmen bereit, insbesondere für die Versorgung mit Trinkwasser und Notunterkünften. Weitere vier Millionen US-Dollar stammen aus dem Katastrophenfonds CERF, der von OCHA verwaltet wird. Trotz dieser internationalen Solidarität bleibt die Lage in Ostkuba kritisch. Zehntausende Menschen sind weiterhin ohne Strom, viele Dörfer nur schwer erreichbar. Der Wiederaufbau der Infrastruktur, die Sicherung der Trinkwasserversorgung und die Wiederaufnahme des Schulbetriebs werden Wochen, wenn nicht Monate dauern. Die Regierung und die Vereinten Nationen stehen vor der Herausforderung, die humanitäre Krise zu bewältigen und zugleich den langfristigen Wiederaufbau in den am stärksten betroffenen Regionen zu planen.
Quelle: ReliefWeb (https://t1p.de/l38uv)
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