Neues aus Kuba
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Kuba gilt seit Jahrzehnten als Talentschmiede des internationalen Baseballs – doch die Erfolge seiner Spieler in den US-amerikanischen Major Leagues bleiben in der Heimat meist unbeachtet. Während Fans die Spiele über Internetverbindungen in Cafés oder Hotels verfolgen, halten sich der Staat und offizielle Medien bedeckt.
15.10.2025 10:00 Uhr
Wenn der kubanische Pitcher Aroldis Chapman für die Boston Red Sox Baseball-Rekorde bricht, bleibt das in seiner Heimat weitgehend unbeachtet. Weder die staatlichen Medien noch das Fernsehen in Havanna berichten regelmäßig über die Erfolge kubanischer Spieler in den nordamerikanischen Major Leagues. Dabei gelten sie international als Inbegriff sportlicher Exzellenz – und Kuba selbst als Wiege außergewöhnlicher Baseballtalente. Doch die Beziehung zwischen der Insel und ihren Stars im Ausland ist kompliziert, ambivalent und tief von der politischen Geschichte geprägt.
Seit die Regierung 1962 den professionellen Baseball verbot, konzentrierte sich die nationale Begeisterung auf die „Serie Nacional“, die heimische Amateurliga. Das Ziel war, Sport von Kommerz und Kapitalismus zu trennen. Doch der Preis war hoch: Kubanische Spieler, die von einem Engagement in den USA träumten, hatten keine legale Möglichkeit, diesen Weg einzuschlagen. Wer in die MLB wollte, musste das Land verlassen – meist heimlich, oft unter riskanten Umständen. Zwischen 2016 und 2022 verließen laut offiziellen Zahlen über 600 Spieler legal oder illegal die Insel, um ihr Glück im Ausland zu suchen. Viele von ihnen äußern sich nach ihrer Flucht offen kritisch gegenüber der kubanischen Regierung, was ihre Rückkehr nahezu unmöglich macht. Für die Behörden bleiben sie politische Gegner, für viele Fans sind sie jedoch nach wie vor Helden. In Havannas legendärem Estadio Latinoamericano verfolgen Zuschauer nicht nur die Spiele ihres Lokalteams Industriales, sondern fiebern gleichzeitig mit den Los Angeles Dodgers mit – insbesondere wegen Andy Pages, eines 24-jährigen Kubaners, der in den USA als kommender Superstar gilt. Da MLB-Spiele auf Kuba nicht übertragen werden, bleibt den Fans nur der Umweg über Internetverbindungen in Hotelbars oder Cafés. Diese inoffizielle Leidenschaft steht im Kontrast zum offiziellen Schweigen der Staatsmedien – ein Schweigen, das selbst jene trifft, die sich politisch neutral verhalten. Andy Pages etwa vermeidet politische Aussagen und hat mehrfach betont, dass er gerne wieder für die kubanische Nationalmannschaft spielen würde. Ein erster Schritt zur Annäherung gelang beim World Baseball Classic 2023. Zum ersten Mal seit mehr als sechs Jahrzehnten nominierte Kuba dort auch Spieler, die in den Major Leagues aktiv sind. Zwar blieben einige der prominentesten Namen fern – aus politischen Gründen oder weil sie nicht eingeladen wurden –, doch das Team schaffte es bis ins Halbfinale. Fans und Beobachter werteten das als historischen Erfolg und als Beweis dafür, dass sportliche Qualität Grenzen überwinden kann. „Das war ein Tabubruch“, sagt der Fan Alexis, 43. „So sollte es weitergehen: ein echtes kubanisches Team, mit den besten Spielern – egal, wo sie gerade leben.“ Auch viele Experten teilen diese Hoffnung. Der 36-jährige William Álvarez etwa ist überzeugt, dass die Zeiten der sportlichen Verbote bald vorbei sind: „Das wird passieren. Vielleicht früher, als viele denken.“ Ob es tatsächlich zu einer Normalisierung kommt, hängt nicht nur von Havanna ab, sondern auch von Washington. Die Teilnahme kubanischer MLB-Spieler am Weltturnier 2026 ist derzeit ungewiss – die Entscheidung liegt bei den US-Behörden. So bleibt der kubanische Baseball zwischen zwei Welten gefangen: einer stolzen Nation, die ihre sportliche Größe im Ausland bewundert, aber im eigenen Land kaum zeigen darf. Zwischen Schweigen und Sehnsucht, zwischen Ideologie und Identität ringt Kuba mit seinen verlorenen Söhnen – und mit der Frage, ob sich Sport und Politik jemals vollständig trennen lassen.
Quelle: EFE (https://t1p.de/fxcp1)
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Text: Leon Latozke
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