Neues aus Kuba
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Mexiko prüft unter wachsendem Druck der USA die Fortführung seiner Öllieferungen nach Kuba. Washington erwägt schärfere Sanktionen und eine mögliche Ölblockade, um die kubanische Regierung unter Druck zu setzen. Präsidentin Claudia Sheinbaum verteidigt die Lieferungen offiziell als humanitäre Hilfe – intern wächst jedoch die Sorge, dass ein Festhalten an der Politik das Verhältnis zu den Vereinigten Staaten belastet.
24.01.2026 08:30 Uhr
Abbildung: Claudia Sheinbaum 15. August 2025 in Guatemala von Presidencia de Guatemala, Zuschnitt KUBAKUNDE, CC0 1.0
Havanna steht angesichts drohender Öl-Engpässe vor einer schweren Krise. Nachdem die Lieferung von venezolanischem Öl – traditionell Kubas Hauptquelle – weitgehend zum Erliegen gekommen ist, hat Mexiko die Rolle des wichtigsten externen Ölversorgers übernommen. Gleichzeitig prüft die mexikanische Regierung unter Präsidentin Claudia Sheinbaum, ob die Öltransporte an die sozialistische Insel fortgesetzt werden sollen. Hintergrund ist der zunehmende Druck der US-Regierung unter Präsident Donald Trump, die offen über schärfere Maßnahmen gegenüber Havanna nachdenkt, darunter auch die Möglichkeit einer vollständigen Blockade von Ölimporten.
Nach Angaben von Reuters und Politico laufen in Mexiko derzeit interne Beratungen, wie auf die geopolitische Lage reagiert werden soll. Offiziell verteidigt Präsidentin Sheinbaum die Lieferungen als humanitäre Hilfe, die auf bestehenden langfristigen Verträgen basieren. In Regierungskreisen wird jedoch die Sorge geäußert, dass die Fortsetzung der Öltransporte die ohnehin angespannten Beziehungen zu den USA weiter belasten könnte. Mexiko befindet sich gleichzeitig in heiklen Verhandlungen über eine Neuordnung des nordamerikanischen Handelsabkommens USMCA und steht unter starkem Druck, Washington von der eigenen Rolle im Kampf gegen mächtige Drogenkartelle zu überzeugen. Präsidentin Sheinbaum bezeichnete jüngste Aussagen Trumps, Mexiko sei „von Kartellen regiert“ und könnte Ziel eines US-Bodeneinsatzes werden, als ernsthafte Bedrohung der nationalen Souveränität. In Mexiko werden verschiedene Optionen diskutiert: ein kompletter Lieferstopp, eine teilweise Reduzierung oder die Beibehaltung der bisherigen Mengen. Jede Entscheidung ist politisch heikel. Einerseits will Mexiko seine langjährige Politik der Solidarität mit Kuba fortsetzen, andererseits besteht die Notwendigkeit, sich vor möglichen politischen und wirtschaftlichen Reaktionen der USA zu schützen. Offiziell hält die mexikanische Präsidentschaft daran fest, dass die Öltransporte und die Bezahlung kubanischer Ärzte „souveräne Entscheidungen“ seien. Die Ölversorgung ist für Kuba von zentraler Bedeutung. Die Insel importiert nach Angaben der Internationalen Energieagentur rund 60 Prozent ihres Bedarfs und war lange auf subventioniertes venezolanisches Rohöl angewiesen. Die Unterbrechung dieser Lieferungen sowie der Verlust der daraus erzielten Devisen haben die ohnehin fragile Wirtschaft weiter belastet. Die Versorgungslage hat sich in den letzten Jahren verschärft: Chronische Energieknappheit, häufige Stromausfälle und stagnierende wirtschaftliche Entwicklung prägen den Alltag auf der Insel. Die US-Administration diskutiert derzeit mehrere Szenarien zur weiteren Isolation Kubas. Laut Medienberichten wird innerhalb des Trump-Kabinetts ein vollständiger Ölstopp als ein Instrument zur Erreichung eines Regierungswechsels auf Kuba betrachtet. Hardliner innerhalb der US-Regierung, darunter Außenminister Marco Rubio, sollen einen solchen Schritt befürworten. Andere Stimmen warnen vor einer humanitären Katastrophe, möglichen Destabilisierungen in der Karibikregion und einer neuen Flüchtlingswelle. Präsident Trump hatte bereits am 11. Januar öffentlich auf der Plattform Truth Social erklärt: „Es wird kein Öl oder Geld mehr nach Kuba fließen – Null!“, wobei sich die Äußerung zunächst auf Venezuela bezog, aber auch Mexikos Engagement indirekt belastet. Die Spannungen manifestieren sich nicht nur diplomatisch, sondern auch militärisch. Seit Dezember 2025 werden regelmäßig US-amerikanische Überwachungsdrohnen vom Typ Northrop Grumman MQ-4C Triton über dem Golf von Mexiko und der Bucht von Campeche gesichtet – in unmittelbarer Nähe der maritimen Routen, über die mexikanisches Öl nach Kuba transportiert wird. Vergleichbare Flüge wurden kurz vor den US-Maßnahmen gegen Venezuela beobachtet. Mexikanische Sicherheitskreise werten dies als deutliches Signal, dass Washington die Bewegungen im regionalen Energiesektor genau beobachtet. Die kubanische Regierung hat historische Belastbarkeit unter US-Sanktionen und nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion bewiesen. Die aktuelle Lage ist jedoch besonders kritisch. Der Verlust venezolanischer Lieferungen, kombiniert mit der unsicheren Haltung Mexikos, verschärft die wirtschaftliche und soziale Spannung erheblich. Mexikos Entscheidungen in den kommenden Wochen könnten nicht nur die Energieversorgung Kubas, sondern auch die Stabilität der Insel und die regionalen Machtverhältnisse in der Karibik beeinflussen.
Quelle: Miami Herald (https://t1p.de/gaj9c)
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