Neues aus Kuba
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Ohne Diesel kein Nickel: Der kanadische Konzern Sherritt stoppt seine Produktion in Moa. Die US-Sanktionen treffen Kubas Wirtschaft ins Mark.
18.02.2026 08:05 Uhr
Abbildung: Symbolbild Nickelmine bei Moa, Kuba (Quelle: Ceever, Nickel mine near Moa (Cuba), Zuschnitt KUBAKUNDE, CC BY-SA 4.0)
Die Krise der kubanischen Wirtschaft verschärft sich weiter: Der kanadische Bergbaukonzern Sherritt International hat angekündigt, seine Nickel- und Kobaltförderung in Moa deutlich zurückzufahren und die Verarbeitungsanlage vorerst in den Standby-Modus zu versetzen. Grund sind ausbleibende Treibstofflieferungen, die für den Betrieb der energieintensiven Anlagen unverzichtbar sind.
Nach Unternehmensangaben wurde Sherritt darüber informiert, dass geplante Kraftstofflieferungen für den Standort Moa nicht erfüllt werden. Ein neuer Zeitplan für die Wiederaufnahme der Lieferungen sei derzeit nicht bekannt. Das Unternehmen prüfe „alle Optionen“, um alternative Versorgungswege zu erschließen. Gleichzeitig reicht der vorhandene Rohstoffbestand aus Kuba, um die Raffinerie im kanadischen Alberta voraussichtlich noch bis Mitte April weiter zu betreiben. Ölblockade trifft Schlüsselindustrie Die Entscheidung ist ein weiterer Schlag für eine ohnehin angeschlagene Volkswirtschaft. Seit die US-Regierung unter Präsident Donald Trump den Zugang Kubas zu internationalen Treibstoff- und Lieferketten massiv eingeschränkt hat, verschärft sich die Energiekrise auf der Insel spürbar. Eine Exekutivanordnung aus Washington droht zudem mit Zöllen gegen Staaten oder Unternehmen, die Erdöl nach Kuba liefern. Der faktische Wegfall von Lieferungen aus Venezuela – nach der US-Intervention und der Festnahme von Präsident Nicolás Maduro – sowie Einschränkungen aus Mexiko und Russland haben die strukturelle Abhängigkeit Havannas offengelegt. Treibstoffmangel führt zu Produktionsausfällen, landesweiten Stromabschaltungen und massiven Engpässen im Transportwesen. Der Druck auf internationale Investoren wächst. Neben Sherritt haben andere ausländische Unternehmen ihr Engagement reduziert; etwa Air Canada, die ihre Flüge nach Kuba einstellte. Die spanische Denkfabrik Real Instituto Elcano verweist auf zwei zentrale Risikofaktoren für Investoren: eine mögliche – wenn auch „chirurgische“ – militärische Intervention der USA sowie die rapide Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, insbesondere durch Stromausfälle und Treibstoffknappheit. Strategische Metalle unter Druck Nickel und Kobalt zählen zu den wichtigsten Exportgütern Kubas. Nach jüngsten Schätzungen bleibt das Land weltweit unter den zehn größten Nickelproduzenten und ist ein bedeutender Kobaltlieferant. Beide Metalle gelten als strategisch, insbesondere für Batterietechnologien in der Elektromobilität. Doch die Produktion sinkt. Sherritt meldete für 2025 eine Fördermenge von 12.650 Tonnen Nickel und Kobalt (Metallinhalt) aus dem Joint Venture mit einem staatlichen kubanischen Partner – ein deutlicher Rückgang gegenüber 15.847 Tonnen im Vorjahr. Als Gründe nennt der Konzern anhaltende wirtschaftliche Schwierigkeiten und ein zunehmend komplexes Betriebsumfeld. Die aktuelle Unterbrechung markiert nach Einschätzung des Unternehmens einen qualitativen Sprung in den operativen Risiken. Zwar will Sherritt die Zwangspause für Wartungsarbeiten nutzen, doch ohne gesicherte Energieversorgung bleibt die Perspektive unsicher. Sobald mehr Klarheit über die Lieferketten bestehe, wolle man die Geschäftsprognosen für 2026 aktualisieren. Wirtschaft im Ausnahmezustand Die kubanische Regierung hat angesichts der Lage einen harten Notfallplan aktiviert. Öffentliche Dienstleistungen wurden auf ein Minimum reduziert, Treibstoff streng rationiert. Bereits zuvor litt die Bevölkerung unter Inflation bei gleichzeitiger Schrumpfung der Wirtschaftsleistung, wachsender Dollarisierung, anhaltenden Stromabschaltungen und massiver Auswanderung. Dass nun selbst kapitalstarke ausländische Investoren ihre Produktion einstellen müssen, verdeutlicht die Tiefe der Krise. Der Stopp in Moa trifft nicht nur einen der wichtigsten Industriezweige des Landes, sondern unterstreicht auch, wie eng Kubas wirtschaftliche Stabilität an externe Energie- und Handelsströme gebunden ist.
Quelle: EL PAÍS (https://t1p.de/kimnm), EFE (https://t1p.de/pjul2)
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