Neues aus Kuba
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31.05.2026 09:00 Uhr
Die USA erhöhen den militärischen und wirtschaftlichen Druck auf Kuba: Kriegsschiffe, Drohungen und die Anklage gegen Ex-Staatschef Raúl Castro prägen die Eskalation. Beobachter ziehen Parallelen zu den US-Interventionen in Venezuela und im Iran.
Abbildung: Symbolbild US-Präsident Trump, Juli 2025 (Bildquelle: The White House 54659199470, Zuschnitt KUBAKUNDE, CC0 1.0
Die Spannungen zwischen den USA und Kuba haben einen neuen Höhepunkt erreicht. Seit Monaten erhöhen die Vereinigten Staaten kontinuierlich den Druck auf den Inselstaat. Dabei wird eine Mischung aus militärischen Drohgebärden, diplomatischen Offerten und juristischen Schritten gegen die kubanische Führung eingesetzt. Die Lage ist derart angespannt, dass Expertinnen und Experten offen über mögliche Szenarien diskutierten – von einem Regimewechsel bis hin zum wirtschaftlichen Kollaps Kubas.
Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump hat in den vergangenen Wochen mehrere Schritte unternommen, die auf eine fundamentale Veränderung der Lage in Kuba abzielten. Zunächst sind Aufklärungsdrohnen und Operationen der US-Marine in der Karibik intensiviert worden. Zuletzt hat der Flugzeugträger Nimitz, begleitet von Lenkwaffen zerstörenden Zerstörern, in der Region Stellung bezogen. Die militärische Präsenz erinnert an die Vorgehensweise der USA vor der Intervention in Venezuela, wie das Portal Politico unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen berichtet hat. "Die Armada sei zwar ein bisschen kleiner als jene, die vor Venezuela aktiv war, bevor US-Spezialkräfte Präsident Maduro entführten, aber alle Einheiten seien in Position und bereit", zitiert Politico einen Insider. Ein besonders brisanter Aspekt des sich zuspitzenden Konflikts ist der Besuch von CIA-Direktor John Ratcliffe Mitte Mai in Kuba gewesen. Ratcliffe hat sichj mit Regierungsvertretern und dem Enkel des ehemaligen Staatschefs Raúl Castro, "Raúlito" Rodríguez Castro, getroffen. Noch bemerkenswerter ist jedoch die Begleitung des CIA-Direktors gewesen: Wie CBS News berichtete, hat ein US-Offizier Ratcliffe begleitet, der bereits bei der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro eine zentrale Rolle gespielt ha. Ratcliffe habe diesen Offizier seinen kubanischen Gesprächspartnern laut mehreren Quellen als "derjenige, der ihre Leute in Venezuela getötet hat" vorgestellt. Dabei ging es um 32 kubanische Leibwächter Maduros, die bei der Intervention der US-Spezialkräfte getötet worden sein sollen. Parallel zu diesen militärischen und geheimdienstlichen Aktivitäten hat die US-Regierung auch den wirtschaftlichen Druck auf Kuba massiv verstärkt. Die USA haben ie Öl-Transporte nach Kuba inzwischen fast vollständig unterbunden. Folge ist, dass die Insel ihren Energiebedarf nur noch zu einem Drittel decken könne. Die Stromausfälle hätten ein extremes Ausmaß angenommen und dauerten bis zu 22 Stunden am Tag. Hinzu kommt eine dramatische Nahrungsmittelknappheit, die selbst die Preise für Grundnahrungsmittel der kubanischen Küche wie Reis explodieren lasse. Die amerikanische Regierung hat aber nicht nur auf Konfrontation gesetzt, sondern auch diplomatische Angebote unterbreitet. CIA-Direktor Ratcliffe hat den kubanischen Regierungsvertretern ein Angebot der Trump-Administration überbracht. Die Bedingung: Kuba müsse seine engen Beziehungen zu Russland und China lockern. Außenminister Marco Rubio, selbst Sohn von Exil-Kubanern, hat sich kürzlich in einer spanischsprachigen Ansprache direkt an die kubanische Bevölkerung gewandt. Präsident Trump selbst habe in einer Fernsehansprache erklärt, Kuba sei ein "gescheiterter Staat" und die USA wollten "den Familien, den Leuten" helfen. Diese Kommunikationsstrategie wecke unmittelbare Assoziationen an das Vorgehen der USA vor dem Angriff auf den Iran. Auch damals hätten die USA der iranischen Bevölkerung Hilfe zugesagt, sollten sie sich gegen ihre Regierung erheben. Die Parallelen zu Venezuela seien ebenfalls offenkundig, wo die USA vor der Entführung Maduros Anklage gegen ihn erhoben hätten. In Kuba hat es nun einen ähnlichen Schritt gegeben: Die Anklage gegen früheren Staatschef Raúl Castro für den Abschuss von zwei amerikanischen Sportflugzeugen im Jahr 1996. Ein Schritt, den Beobachter als Teil einer umfassenden Strategie werteten. Vor diesem Hintergrund diskutiert die Fachwelt nun offen, wie eine mögliche US-Operation gegen die kubanische Führung im Jahr 2026 aussehen könnte. Ein naheliegendes Szenario ist die Entführung Raúl Castros nach dem Vorbild Maduros. Allerdings wäre damit in Kuba wohl wenig gewonnen, wie Adam Isacson von der Nichtregierungsorganisation Washington Office on Latin America gegenüber BBC News erklärte. "Sie würden es lieben, einen der Castros zu erniedrigen und einen der Revolutionäre von 1959 hinter Gitter zu bringen", wird der Experte zitiert. Die aktuelle kubanische Regierung würde dadurch jedoch kaum an Macht verlieren, da Castro seit 2018 nicht mehr Staatsoberhaupt der Insel sei. Ein zweites mögliches Szenario ist ein Regimewechsel. In Venezuela hat schließlich die Nummer zwei der alten Regierung übernommen und agiert offenbar zur Zufriedenheit ihrer amerikanischen Auftraggeber. Äußerungen Ratcliffes und Rubios lassen sich dahingehend deuten, dass die USA auch in Kuba Gespräche mit möglichen Führungsfiguren führten. Der kubanische Botschafter bei den Vereinten Nationen hat der New York Times erklärt, Kuba sei bereit, mit den USA über alles und ohne Tabuthemen zu verhandeln, um dann jedoch einzuschränken: "Es trägt natürlich nicht zu einem Klima des Dialogs und des Vertrauens bei, wenn alle paar Tage Äußerungen wie 'Wir sind bereit, Kuba zu übernehmen' zu hören sind." Die BBC zitiert mehrere Expertinnen und Experten, die jedoch bezweifelten, dass es in Kuba ein Pendant zur venezolanischen Nummer zwei Delcy Rodriguez gebe. Möglicherweise würde sich die Administration Trump damit begnügen, wenn die kubanische Regierung mehr US-Investitionen in ihr Land ließe, die chinesische und russische Spionage reduziere und Exil-Kubanern Einfluss in ihrer alten Heimat gebe. Ein Richtungswechsel ohne Regimewechsel sozusagen. Die USA könnten auch die Blockade Kubas so intensivieren, dass die Wirtschaft der Insel zusammenbricht. Dass dies das Ende der kommunistischen Regierung bedeuten würde, sei jedoch mehr als unsicher. Ein Beobachter äußerte gegenüber der BBC seine Überzeugung, dass der Sicherheitsapparat auch nach einem wirtschaftlichen Kollaps weiter funktionieren werde. Die wohl am meisten diskutierte Frage ist aber, ob die USA tatsächlich einen militärischen Angriff auf Kuba wagen würden. Hierbei kommt unweigerlich die Erinnerung an die gescheiterte Invasion in der Schweinebucht im April 1961 auf, Damals hatte die US-Regierung unter Präsident John F. Kennedy einen Angriff lanciert, um einen Aufstand gegen die neue kommunistische Führung auszulösen. Der Plan war gewesen, die kubanische Luftabwehr auszuschalten und 1400 von US-Kräften vorbereitete Exil-Kubaner an der Bahía de Cochinos an Land gehen zu lassen. Doch die Bomben verfehlten ihre Ziele, und die kubanische Armee trat den Invasoren mit 20.000 Mann entgegen. Der Einmarsch war gescheitert, bevor er richtig begonnen hatte. Ein ähnliches Szenario im Jahr 2026 gilt jedoch als äußerst unwahrscheinlich. "Schweinebucht 2.0 wird es nicht geben", zitiert Politico einen anonymen Pentagon-Insider. Denn wenn Trump eines nicht brauchen könne, dann ist es ein weiteres militärisches Auslandsabenteuer, das nicht mit einem schnellen Erfolg ende. Ein US-Angriff auf Kuba werde zudem auf stärkeren Widerstand treffen als jener auf Venezuela, ist Helen Yaffe überzeugt, Professorin für Lateinamerikanische Politische Ökonomie an der Universität Glasgow. Jede Person im Land habe eine militärische Ausbildung erhalten, erklärte sie Al Jazeera. Sogar Trump sei beeindruckt gewesen vom Widerstand der 32 kubanischen Leibwächter Maduros. "Die denken, das sei heftiger Widerstand. Das waren 32 Kubaner. Wenn sie hierherkommen, werden es 10 Millionen sein!", zitiert AlJazeera die Professorin. US-Truppen in Kuba hätten wohl härtere Gegenwehr zu erwarten als in Venezuela, auch wenn die Insel militärisch unterlegen sei. Kuba hat zudem möglichwerweise selbst Vorsorge getroffen. Wie ein Axios-Bericht festhält, habe die Insel 300 Kampfdrohnen beschafft – offenbar, um im Falle eines US-amerikanischen Angriffs dessen Basis in Guantanamo zu attackieren. Der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel warnte vor einem Blutbad, sollten die USA Kuba angreifen. Mehr als fraglich ist auch, dass die Administration Trump eine kubanische Flüchtlingswelle in die USA begrüßen würde. Professor Michael Shifter von der Georgetown-Universität erkläre der BBC, die USA würden Instabilität in Kuba ebenso vermeiden wollen, wie sie sie in Venezuela vermieden hätten. Die Frage bleibt: Wird die Geschichte sich wiederholen? Oder lernen die Akteure aus den Fehlern der Vergangenheit? Die kubanische Führung stellt sich zumindest demonstrativ hinter Raúl Castro und signalisiert: Wir sind bereit für alles.
Quelle: Bluewin (https://t1p.de/u5z5e)
Autor: Leon Latozke
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