Neues aus Kuba
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20.05:2026 23:00 Uhr
Die US-Regierung hat Ex-Staatschef Raúl Castro angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, als Verteidigungsminister den Abschuss zweier Flugzeuge 1996 angeordnet zu haben, bei dem vier US-Bürger starben.
Die Regierung in Washington hat Anklage gegen den ehemaligen kubanischen Staatschef Raúl Castro erhoben. US-Justizminister Todd Blanche teilte mit, dass der 94-Jährige für den Abschuss zweier Flugzeuge durch die kubanische Luftwaffe im Jahr 1996 verantwortlich gemacht wird. Bei dem Angriff kamen damals drei US-Bürger ums Leben. Die Klage wurde vor einem Gericht im Bundesstaat Florida eingereicht.
Präsident Donald Trump kündigte nur wenige Stunden später an, die USA würden „Kuba befreien“. Konkrete Angaben zum weiteren Vorgehen gegen den Inselstaat machte er jedoch nicht. Der kubanische Staatschef Miguel Díaz-Canel wies die Vorwürfe auf der Plattform X umgehend zurück. Er bezeichnete die Anklage als eine „politische Maßnahme, ohne jegliche rechtliche Grundlage“. In Havanna wächst indes die Furcht vor einer möglichen militärischen Eskalation. Die Anklage gegen den langjährigen Machthaber könnte diese Befürchtungen weiter anheizen. Bereits der Angriff auf Venezuela und die Festnahme von Staatschef Nicolás Maduro waren zuvor mit einer ähnlichen juristischen Argumentation gerechtfertigt worden. Die Beziehungen zwischen Kuba und den USA sind seit der kubanischen Revolution in den 1950er-Jahren tief zerrüttet. Unter Trump haben sich die Konflikte durch neue Sanktionen und eine verschärfte Ölblockade noch einmal deutlich verschlechtert. Das Land leidet aktuell unter der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Trump selbst hatte mehrfach eine Art Übernahme des Karibikstaats angedeutet. Sein Außenminister Marco Rubio, dessen Eltern aus Kuba stammen, drängt seit Langem auf einen Machtwechsel in Havanna. Er gilt als der eigentliche Architekt der harten Linie Washingtons gegenüber der Insel. Seit einigen Monaten sollen hinter den Kulissen Gespräche zwischen beiden Regierungen stattfinden. Eine zentrale Rolle spielt dabei offenbar ein Enkel von Raúl Castro: Raúl Guillermo Rodríguez Castro, auch bekannt als „Raulito“ oder „die Krabbe“, gilt als engster Vertrauter seines Großvaters. Raúl Castros politische Karriere erstreckt sich über mehr als ein halbes Jahrhundert. Fast 50 Jahre lang war er Verteidigungsminister, bevor er seinen Bruder Fidel Castro an der Staatsspitze ablöste. Nach einer provisorischen Amtszeit ab 2006 führte er Kuba von 2008 bis 2018 offiziell als Präsident. Erst 2021 gab er auch den Vorsitz der Kommunistischen Partei Kubas ab. Noch immer gilt er als Schlüsselfigur im Regierungsapparat von Präsident Díaz-Canel und verfügt über ein weitverzweigtes Netzwerk im Militär. Auf Kuba kontrolliert die Armee einen Großteil der Wirtschaft. Der Vorfall, der nun zur Anklage führte, liegt fast 30 Jahre zurück: 1996 schoss die kubanische Luftwaffe zwei Flugzeuge der Organisation „Hermanos al Rescate“ („Brüder zur Rettung“) vor der Küste Kubas ab. Drei der vier Todesopfer waren US-Bürger. Die damalige Regierung in Havanna behauptete, die Maschinen seien in den kubanischen Luftraum eingedrungen. Die Internationale Organisation für Zivilluftfahrt stellte später jedoch fest, dass sich die Flugzeuge über internationalen Gewässern befanden. Mehrere US-Kongressabgeordnete hatten seit Monaten eine Anklage gegen Raúl Castro gefordert: Er habe den Abschuss als damaliger Verteidigungsminister persönlich angeordnet. Parallel zur Bekanntgabe der US-Anklage kündigten kubanische Behörden für den 3. Juni Gedenkveranstaltungen zum 95. Geburtstag von Raúl Castro an. Autor: Leon Latozke
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