Neues aus Kuba
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31.07.2026 08:00 Uhr
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Kubaner, die aus den USA abgeschoben werden sollen, könnten künftig nach Uruguay gebracht werden.
Abbildung: Symbolbild/Screenshot. Bildquelle: YouTube. Rechte beim Uploadenden.
Die Trump-Regierung sucht neue Drittstaaten für ihre Abschiebepolitik – und ist dabei offenbar nahe an einer Vereinbarung mit Uruguay. Das südamerikanische Land, das ohnehin schon eine der größten kubanischen Diaspora-Gemeinden Lateinamerikas beherbergt, könnte künftig auch Kubaner aufnehmen, die aus den USA abgeschoben werden, aber nicht direkt zurück auf die Insel gebracht werden können.
Gespräche seit Monaten, Ergebnis offen
Wie die New York Times berichtet, verhandelt das US-Außenministerium unter Marco Rubio bereits seit mehreren Monaten mit der uruguayischen Regierung über eine entsprechende Vereinbarung. Rubio, selbst Sohn kubanischer Einwanderer, hatte zuvor erklärt, die USA hätten zahlreiche Bedenken gegenüber Kuba – darunter auch die Sorge vor einer neuen Massenmigrationswelle von der nur 150 Kilometer von Florida entfernten Insel.
Das uruguayische Außenministerium bestätigte gegenüber CNN, dass es seit längerem einen Dialog mit Washington zu diesem Thema gebe, betonte aber zugleich, es handle sich um dieselben Gespräche, die die USA derzeit mit zahlreichen Staaten Lateinamerikas und der Karibik führten – mit einigen davon habe man bereits Vereinbarungen getroffen, mit anderen noch nicht. Ein Regierungsprecher erklärte, es gebe "noch nichts Konkretes". Auch das US-Außenministerium wollte sich auf Anfrage nicht zu Details diplomatischer Kommunikation äußern. Nach Angaben von mit den Gesprächen vertrauten Personen befinden sich die Verhandlungen weiterhin in einem frühen Stadium. Uruguay als bevorzugtes Ziel
Dass ausgerechnet Uruguay ins Visier Washingtons geraten ist, hat mehrere Gründe. Das Land mit rund 3,5 Millionen Einwohnern hat in den vergangenen Jahren eine enorme Zuwanderung aus Kuba erlebt: 2024 schuf die Regierung ein Programm zur Regularisierung des Aufenthaltsstatus ("Residencia por Arraigo"), von dem rund 20.000 Migranten profitierten, viele davon Kubaner. 2025 erreichte die kubanische Einwanderung nach Uruguay einen historischen Höchststand – mehr als 22.000 Kubaner reisten laut der nationalen Migrationsbehörde ein, während rund 7.000 das Land wieder verließen. Das entspricht etwa 0,4 Prozent der Gesamtbevölkerung innerhalb eines einzigen Jahres. Der Trend hat sich laut CNN-Berichterstattung auch 2026 fortgesetzt.
Die Migrationsexpertin Karla Mateluna von der Organisation VMIA erklärte gegenüber CNN, Uruguay sei das einzige Land der Region, das Migranten einen umfassenden Zugang zu Grundrechten wie Gesundheit, Bildung und Sozialversicherung garantiere und zugleich über eine stabile institutionelle Struktur für die Arbeit mit Zuwanderern verfüge. Das mache das Land zu einem besonders sicheren Ziel für Menschen, die aus politischen, religiösen oder sexualitätsbezogenen Gründen fliehen – oder eben wegen der aktuellen Krise in Kuba. Nach Angaben eines hochrangigen uruguayischen Regierungsvertreters, den die New York Times zitiert, hat Uruguay aus zwei Gründen Interesse an dem Abkommen: Das Land benötigt angesichts seiner demografischen Entwicklung zusätzliche Arbeitskräfte, und die Regierung in Montevideo ist zugleich bemüht, sich bei der Trump-Administration Wohlwollen zu verschaffen. Teil eines größeren Abschiebe-Regimes
Für Washington ist die Suche nach Drittstaaten wie Uruguay Teil einer umfassenderen Strategie im Umgang mit kubanischen Migranten. Die USA hatten bereits zuvor Kubaner abgeschoben – teils nach Mexiko, teils sogar in afrikanische Länder wie Eswatini und den Südsudan. Menschenrechtsorganisationen kritisieren dieses Vorgehen scharf, weil die Betroffenen häufig ohne rechtliche Perspektiven in Staaten gebracht würden, zu denen sie keinerlei Bezug hätten. Ein UN-Gremium hatte die rassistische Rhetorik der Trump-Regierung bereits für Menschenrechtsverletzungen mitverantwortlich gemacht.
Hintergrund der verschärften Abschiebepraxis ist, dass die kubanische Regierung die Rücknahme eigener Staatsbürger nur in begrenztem Umfang akzeptiert. Gleichzeitig hat die Trump-Administration seit Amtsantritt die Möglichkeiten für Migranten mit unsicherem Aufenthaltsstatus deutlich eingeschränkt. Schätzungen zufolge sind bis zu 600.000 Kubaner in den USA potenziell von diesen Verschärfungen betroffen – viele von ihnen verfügen nur über befristeten Schutzstatus oder vorläufige Aufenthaltstitel, etwa aus humanitären Programmen der vergangenen Jahre. Fällt dieser Schutz weg, drohen ihnen im Prinzip Abschiebeverfahren. Verschärfter Druck auf Kuba
Die Verhandlungen mit Uruguay fallen in eine Phase, in der Washington seinen wirtschaftlichen Druck auf Kuba weiter erhöht. Die USA haben zuletzt Öllieferungen an die Karibikinsel blockiert – eine Volkswirtschaft, die durch jahrzehntelange US-Sanktionen und die Misswirtschaft der eigenen Führung ohnehin bereits stark angeschlagen ist. Erst am 14. Juli hatte die Trump-Regierung zusätzliche Sanktionen gegen den kubanischen Tourismussektor verhängt, eine für die Insel zentrale Deviseneinnahmequelle. Rubio bezeichnete die Regierung in Havanna wiederholt als "illegitimes Regime" und erklärte, Ziel der US-Politik sei es, ihr die finanziellen Mittel für den "Unterdrückungsapparat" zu entziehen.
Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel und Außenminister Bruno Rodríguez betonen dagegen, ihr Land stelle kein Sicherheitsrisiko für die USA dar – vielmehr sei das Verhalten der Trump-Regierung selbst eine Bedrohung für die regionale und internationale Sicherheit, insbesondere angesichts möglicher militärischer Drohungen gegen kubanisches Territorium. Seit der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und der darauffolgenden Verschärfung des US-Drucks hat sich die Lage in Kuba weiter zugespitzt. Anhaltende Stromausfälle, die zeitweise fast die gesamte Insel betreffen, Lebensmittelknappheit und ein durch Treibstoffmangel lahmgelegter öffentlicher Verkehr prägen den Alltag. Allein 2025 gab es mindestens fünf landesweite Stromausfälle, in einzelnen Provinzen blieb die Versorgung bis zu drei Tage am Stück unterbrochen. Erst kürzlich kam es in Teilen Havannas zu Protesten mit Topfschlägen ("cacerolazos"), bei denen Bewohner die Wiederherstellung der Strom- und Wasserversorgung forderten – kein Einzelfall, sondern Teil einer zunehmenden Häufung solcher Kundgebungen in der Hauptstadt. Für viele im Ausland lebende Kubaner bedeutet diese Entwicklung, dass eine Rückkehr auf die Insel derzeit keine realistische Option darstellt – selbst wenn ihnen in den USA die Abschiebung droht. Autor: Leon Latozke
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