Neues aus Kuba
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Vier Jahre nach der Einführung der Mipymes in Kuba fällt die Bilanz gemischt aus. Die Mikro-, Klein- und Mittelunternehmen decken inzwischen einen erheblichen Teil des Konsums ab, treiben Importe voran und tragen wesentlich zu Steuereinnahmen bei. Gleichzeitig bleibt ihr Einfluss auf Beschäftigung begrenzt, und staatliche Fördermaßnahmen sind kaum sichtbar.
28.09.20925 10:03 Uhr
Abbildung: Das KI-generierte Symbolbild zeigt keine reale Szene.
Vor vier Jahren leitete die kubanische Regierung eine grundlegende Reform des privaten Sektors ein. Ziel war es, die nichtstaatliche Wirtschaft zu stärken und private Unternehmen stärker in die nationale Entwicklungsstrategie zu integrieren. Im September 2021 wurden erstmals seit den 1960er-Jahren private Unternehmen mit rechtlichem Status zugelassen – die sogenannten Mikro-, Klein- und Mittelunternehmen, auf Kuba als Mipymes bezeichnet, eine Abkürzung des spanischen Begriffs Micro, Pequeñas y Medianas Empresas. Gleichzeitig wurde die Zahl der Beschäftigten im Selbstständigenbereich auf drei Personen begrenzt und die Liste der erlaubten Aktivitäten von 127 auf über 2.000 erweitert.
Die Reform zielte darauf ab, Lücken im staatlichen Angebot zu schließen, neue unternehmerische Möglichkeiten zu schaffen und die Versorgung der Bevölkerung zu verbessern. Kritiker bemängeln häufig, dass es „zu viele Mipymes“ gebe und dass diese ihre Ziele nicht erfüllten. Ein Blick auf die Daten zeigt jedoch ein differenziertes Bild. Laut Nationalem Statistikamt (ONEI) überstieg der private Sektor 2024 erstmals den staatlichen Einzelhandel – 55 % aller Konsumgüter werden privat erworben. Mipymes allein decken 29,3 % des Marktes ab. Im Importbereich sind Mipymes besonders präsent: 70 % der privaten Importe im ersten Halbjahr 2025 entfielen auf diese Unternehmen, was auf einen Jahreswert von über zwei Milliarden US-Dollar hindeutet. Exporte bleiben mit 21 Millionen US-Dollar relativ klein, verzeichnen aber ein Wachstum von 30 %. Beschäftigungseffekte sind dagegen begrenzt. Nur 57.900 Personen, 1,4 % der Gesamtbeschäftigten, arbeiten direkt in Mipymes. Ursachen sind unter anderem ein komplexes Steuersystem, das die Einstellung neuer Mitarbeiter erschwert, sowie die Ausbreitung informeller Beschäftigung. Insgesamt beschäftigt der private Sektor jedoch 1,3 Millionen Personen, rund ein Drittel aller Erwerbstätigen. Auch steuerlich leisten Mipymes einen relevanten Beitrag: Für 2025 werden allein durch sie voraussichtlich 36,3 Milliarden Pesos in den Staatshaushalt fließen, 60 % der Einnahmen aus dem privaten Bereich. Ein Teil dieser Einnahmen verbleibt in den Kommunen, wodurch lokale Entwicklungsstrategien unterstützt werden. Die staatliche Politik gegenüber Mipymes bleibt jedoch zurückhaltend. Die 2024 durchgeführte Revision der Mipymes-Gesetzgebung brachte lediglich zwei Änderungen: Die Genehmigung neuer Unternehmen liegt nun bei den Kommunalverwaltungen, und ein Institut zur Betreuung des privaten Sektors wurde eingerichtet. In der Praxis stagnieren Neugründungen: 44 autorisierte Kommunen genehmigten in zehn Monaten lediglich 231 neue Mipymes. Das Institut konzentriert sich bisher vor allem auf Kontrolle statt auf Förderung. Analysten kritisieren, dass Mipymes bislang nicht als strategischer Bestandteil der wirtschaftlichen Transformation behandelt werden. Es fehle an gezielten politischen Instrumenten, die Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und nachhaltiges Wachstum fördern. Stattdessen werden sie häufig als marginal oder problematisch wahrgenommen, was Vertrauen und Entwicklungschancen beeinträchtigt. Um das Potenzial der Mipymes voll auszuschöpfen, schlagen Experten mehrere Maßnahmen vor: weg von restriktiver Aufsicht hin zu gezielter Förderung, von bürokratischen Hürden zu schnellen Gründungsprozessen, von pauschaler Stigmatisierung zu individueller Verantwortung, von einheitlichen Steuersätzen zu differenzierten Anreizen und von der Rolle als Ergänzung staatlicher Betriebe hin zu nachhaltigen Partnerschaften. Mipymes sind weder Allheilmittel noch Problem der kubanischen Wirtschaft. Sie stellen vielmehr einen zentralen Bestandteil der Reform dar, der unter geeigneten Rahmenbedingungen erheblich zur wirtschaftlichen Entwicklung beitragen kann. Angesichts der anhaltenden finanziellen Restriktionen, struktureller Hürden und der US-Blockade erfüllen sie ihre Ziele bestmöglich – und könnten bei einer strategischeren Integration in die nationale Wirtschaftspolitik noch deutlich mehr leisten. Autor: Leon Latozke
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