Neues aus Kuba
Vom Blackout zum Vorreiter: So würde Kuba mit Solar und Wind zum ersten karibischen Öko-Staat15/4/2026
15.04.2026 08:00 Uhr
Eine Analyse des Thinktanks Common Wealth zeigt, dass Kuba die US-Energieblockade mit einem 8-Milliarden-Dollar-Investment in erneuerbare Energien überwinden könnte. Damit ließen sich 93,4 % des Strombedarfs decken. Die Finanzierung sollte laut Bericht als „reparative Klimafinanzierung“ durch die Weltgemeinschaft erfolgen.
Die USA haben Kuba mit einer Energie-Blockade überzogen, doch ein Ausweg scheint greifbar: Für eine Summe von nur acht Milliarden US-Dollar könnte die sozialistische Inselrepublik ihre Stromversorgung nahezu vollständig auf erneuerbare Energien umstellen und sich damit dauerhaft aus der Abhängigkeit von fossilen Importen befreien. Dies ist das zentrale Ergebnis einer Analyse des Thinktanks Common Wealth. Die Studie argumentiert, dass die internationale Gemeinschaft diese Transformation als eine Form von reparativen Klimafinanzierungen tragen sollte, da Kuba nicht nur für sich selbst, sondern als Modell für die gesamte Karibikregion einen Weg in die energiepolitische Unabhängigkeit aufzeigen könnte.
Seit Jahresbeginn hat die von den Vereinigten Staaten verschärfte Energiesperre das Land in eine tiefe Krise gestürzt. Nach nur einer einzigen Öllieferung aus Russland brach das nationale Stromnetz im März weitgehend zusammen. Elf Millionen Kubaner erlebten anhaltende Blackouts, die das Gesundheitssystem, den Transport und die Industrie lahmlegten. Vor diesem Hintergrund entwirft der Bericht verschiedene Szenarien für eine grüne Energiewende. Demnach würden bereits Investitionen in Höhe von fünf Milliarden Dollar die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen auf ein Fünftel der Stromerzeugung reduzieren. Für acht Milliarden Dollar ließen sich 93,4 Prozent des Bedarfs aus erneuerbaren Quellen decken, und mit weniger als zwanzig Milliarden Dollar könnte Kuba der erste vollständig auf Erneuerbaren basierende Stromsektor der Karibik entstehen. Laut der Modellierung würde in der ambitioniertesten Variante der Großteil des Stroms durch Solarenergie erzeugt werden, ergänzt durch Windkraft, Wasserkraft und Bioenergie. Entscheidend ist die wirtschaftliche Perspektive: In jedem der durchgespielten Investitionsszenarien sinken die Stromgestehungskosten im Vergleich zum business as usual. Bei einem Acht-Milliarden-Dollar-Programm läge der Preis pro Kilowattstunde bei nur 6,5 Cent, gegenüber 14,3 Cent im Referenzfall. „Strom ist in jedem erneuerbaren Investitionsszenario billiger als im Weiter-so-Szenario“, hält der Report fest. Diese Kostensenkung würde es Kuba ermöglichen, die Investitionen über die eingesparten Energiekosten zurückzuzahlen. Der Thinktank betont, dass eine solche Umstellung nicht nur die aktuelle Notlage beenden, sondern auch die geopolitische Strategie der USA unterlaufen würde. „Die US-Strategie der Energiedominanz zielt darauf ab, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu zementieren, die grüne Wende zu verzögern und die US-Macht zu stärken“, sagt Kevin Cashman, Autor der Analyse. Eine dezentrale, auf Solar- und Batterietechnologie basierende Versorgung würde diese Hebelwirkung entscheidend schwächen. Für ein Land mit hohem solarem Potenzial wie Kuba böte die Energiewende daher nicht nur Versorgungssicherheit, sondern auch politische Handlungsfreiheit. Die praktische Machbarkeit einer solch tiefgreifenden Transformation wird durch die jüngste Entwicklung gestützt. Innerhalb des vergangenen Jahres hat die kubanische Regierung mit chinesischer Finanzierung und Unterstützung bereits Solaranlagen mit einer Kapazität von über 1.000 Megawatt ans Netz gebracht. Zudem verweist der Bericht auf die historische Anpassungsfähigkeit der kubanischen Gesellschaft, die sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den 1990er Jahren rasch auf eine agroökologische und selbstversorgungsorientierte Landwirtschaft umstellte. Die entscheidende Frage der Finanzierung beantwortet die Studie mit einem politischen Appell. Die acht bis zwanzig Milliarden Dollar sollten nicht als klassische Entwicklungshilfe, sondern als „reparative Klimafinanzierung“ verstanden werden. Eine schnelle Energiewende unter den extremen Bedingungen einer externen Blockade würde ein wichtiges globales Beispiel setzen und zeigen, dass eine Abkopplung von fossilen Brennstoffen auch unter schwierigsten Umständen möglich ist. Kuba, so die implizite Botschaft, könnte so vom Opfer einer geopolitischen Blockade zum Vorreiter einer energiepolitischen Befreiung für die gesamte Region werden.
Quelle: The Guardian (https://t1p.de/5670n)
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