Neues aus Kuba
Klicken Sie hier, um benutzerdefiniertes HTML festzulegen
|
Die Erdöllieferungen nach Kuba sind eines der sensibelsten Themen für die kubanische Wirtschaft, die sich in einer tiefen Krise befindet, und auch eines der am besten gehüteten Geheimnisse der Regierung, die die Daten über den Erhalt von Kraftstoffen und ihre Verträge mit verbündeten Ländern streng geheim hält.
30.01.2026 05:45 Uhr
Abbildung: Olpumpe Cuba, von Philip Gabrielsen, Zuschnitt, Farbkorrektur und Drehung KUBAKUNDE, CC BY-SA 4.0
Die Versorgung Kubas mit Öl ist seit Jahren ein zentrales Element für die Funktionsfähigkeit des Landes – und gleichzeitig ein streng gehütetes Staatsgeheimnis. Offizielle Zahlen über Ölimporte, Lieferverträge und Kooperationsabkommen werden von der kubanischen Regierung nur sparsam veröffentlicht. Dabei ist die Lage für die Inselnation kritisch: Kubas Stromnetz ist brüchig, die staatlichen Thermoelektrizitätswerke veraltet, und die täglichen Stromausfälle erreichen in vielen Regionen inzwischen mehr als 20 Stunden.
Nach Berechnungen unabhängiger Analysten benötigt Kuba aktuell rund 110.000 Barrel Öl pro Tag. Etwa 40.000 Barrel können durch die eigenen Förderanlagen an der Nordküste des Landes bereitgestellt werden. Den Rest muss die Insel importieren. Aufgrund fehlender Devisen gelingt dies jedoch nicht vollständig, was die Versorgungskrise verschärft. Die größten Lieferanten sind Venezuela, Russland und Mexiko. Laut Reuters belief sich der venezolanische Beitrag im Jahr 2025 auf rund 27.000 Barrel täglich, Russland lieferte etwa 6.000 Barrel, und Mexiko zwischen 6.000 und 12.000 Barrel – Angaben, die von unabhängiger Seite nicht verifiziert werden konnten. In welchem Rahmen die Lieferungen erfolgen – als Teil von Kooperationsabkommen, durch medizinische Gegenleistungen, auf Kreditbasis oder als subventionierte Zufuhr – bleibt ebenfalls unklar.
Ein erheblicher Teil des importierten Öls, schätzt die kubanische Statistikbehörde ONEI in Verbindung mit dem Institut für Energie der Universität Texas, dient der Stromerzeugung. Etwa 65 Prozent der kubanischen Ölimporte werden in den Thermoelektrizitätswerken eingesetzt, deren Anlagen zum Teil seit über vier Jahrzehnten in Betrieb sind. Gleichzeitig wurde berichtet, dass Kuba einen Teil des venezolanischen Öls an China weiterverkaufte, um dringend benötigte Devisen zu generieren. Diese Maßnahme fiel in eine Zeit, in der der Tourismus und die Geldüberweisungen aus dem Ausland stark rückläufig waren.
Historisch gab es zudem vereinzelte Lieferungen über andere Länder. So lieferte Algerien im Rahmen eines bilateralen Kooperationsabkommens nach einem Staatsbesuch des kubanischen Präsidenten Miguel Díaz-Canel im Jahr 2022 Öl an die Insel. Besondere Aufmerksamkeit gilt aktuell Mexiko. Nach dem Machtwechsel in Venezuela und dem internationalen Fokus auf die politische Instabilität in Caracas hat Mexiko seine Rolle als Öl-Lieferant für Kuba ausgebaut. Unter der Regierung von Andrés Manuel López Obrador (2018–2024) stiegen die Lieferungen deutlich. Die derzeitige mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum hat allerdings weder bestätigt noch dementiert, ob es einen Stopp bei den Lieferungen der staatlichen Pemex gibt. Sie betonte lediglich, dass Mexiko weiterhin humanitäre Hilfe leisten werde, wobei die Frage, ob dies Öl einschließt, von den kubanischen Behörden angefragt werden müsse. Die geopolitische Dimension ist dabei nicht zu übersehen: Die Vereinigten Staaten haben im Januar 2026 eine Executive Order erlassen, die es Washington erlaubt, Zölle gegen Länder zu verhängen, die Kuba mit Öl beliefern. Die mexikanische Regierung steht unter Druck, zumal in diesem Jahr das Handelsabkommen T-MEC mit den USA und Kanada überprüft wird. Der wirtschaftliche Effekt eines Versorgungsengpasses wäre gravierend. Nach Berechnungen des kubanischen Ökonomen Miguel Alejandro Hayes würde ein Rückgang der Ölversorgung um 30 Prozent, entsprechend der Lücke, die Venezuela hinterlassen hat, das Bruttoinlandsprodukt um 27 Prozent sinken lassen. Zugleich würden die Preise für Lebensmittel um 60 Prozent, die Transportkosten um 75 Prozent steigen und der private Konsum um 30 Prozent zurückgehen. Kuba befindet sich somit in einer prekären Lage: Die Energieversorgung ist sowohl für die wirtschaftliche Stabilität als auch für die Grundversorgung der Bevölkerung entscheidend. Gleichzeitig ist das Land auf ausländische Lieferungen angewiesen, deren politische und wirtschaftliche Bedingungen außerhalb seiner Kontrolle liegen. In der Folge stehen die Regierung in Havanna und die Bevölkerung unter einem doppelten Druck – innenpolitisch durch die Krise der Stromversorgung und außenpolitisch durch internationale Sanktionen und den geopolitischen Wettbewerb um Ressourcen. Die strategische Abhängigkeit Kubas von ausländischem Öl bleibt damit ein zentrales Risiko für die Insel, dessen Bewältigung über die kommenden Jahre entscheiden wird, ob die Versorgungssicherheit zumindest teilweise wiederhergestellt werden kann oder ob sich die Krise weiter verschärft.
Quelle: EFE (https://t1p.de/meonv)
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |
|
|
| Anzeige (G3) |