Neues aus Kuba
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Vor 60 Jahren gründete die DDR auf Kuba das Tropenforschungsinstitut „Alexander von Humboldt“. Historisch ist es ein bedeutendes Kapitel der DDR‑Kuba‑Kooperation und ein Symbol für die frühzeitige Solidarität und Zusammenarbeit sozialistischer Staaten im Bereich Wissenschaft und Forschung.
18.12.2025 09:45 Uhr
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Heute vor 60 Jahren, am 18. Dezember 1965, wurde das Tropenforschungsinstitut „Alexander von Humboldt“ in Havanna gegründet, ein gemeinsamen wissenschaftlichen Projekts zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Republik Kuba. Dieser Schritt markierte einen frühen Höhepunkt der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen beiden sozialistischen Staaten in den 1960er Jahren.
Die DDR-Medien berichteten von der Errichtung einer Forschungseinrichtung, die der Analyse und Erschließung tropischer Lebens‑ und Umweltbedingungen dienen sollte – ein Vorhaben, das nicht nur wissenschaftliche, sondern auch politische Bedeutung besaß, indem es die Solidarität zwischen der DDR und dem revolutionären Kuba dokumentierte. Im Mittelpunkt stand der Name Alexander von Humboldt, des preußischen Naturforschers und Universalgelehrten, der bereits im frühen 19. Jahrhundert die Natur Kubas und der Karibik intensiv untersucht hatte und bis heute dort als bedeutender Wissenschaftler erinnert wird.
Quelle: ARD Mediathek (https://t1p.de/f0qb8)
Hintergrund und Planung
Die Ursprünge des Projekts reichen in die frühen 1960er Jahre zurück. Im Zuge der engen Beziehungen zwischen beiden Staaten hatte die Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin (DAW) gemeinsam mit kubanischen Partnern die Planung einer Einrichtung für Tropen‑ und Tropenlandwirtschaftsforschung vorangetrieben. Die Idee war, Grundlagenforschung in Havanna zu konzentrieren und Erkenntnisse über tropische Ökosysteme, Agrarwissenschaften, tropenmedizinische Fragen und materialtechnische Herausforderungen im tropischen Klima zu bündeln. Die Namensgebung war bewusst an Humboldt gekoppelt: Der deutsche Forscher hatte Kuba zweimal besucht und dort wesentliche naturkundliche Studien zur Insel und der umgebenden Region verfasst. Sein „politischer Essay über die Insel Cuba“ von 1826 gilt als frühe kritische Auseinandersetzung mit den sozialen und ökonomischen Strukturen der Insel. Aufbau, Aktivitäten und Herausforderungen Leiter der neuen Einrichtung war der Chemiker Horst Sinnecker, ein Forscher mit Erfahrung in der Untersuchung tropischer Materialien wie Nickel‑Laterit‑Erzen – ein Rohstoff, der sowohl für Kuba als auch für die ressourcenarme DDR von wirtschaftlicher Bedeutung war. Trotz der hohen Erwartungen und der politischen Symbolik des Projekts verlief die Umsetzung in der Praxis jedoch schwierig. Zwar wurden die Grundlagen gelegt und erste Strukturen geschaffen, doch blieb die Einrichtung in mehreren Bereichen unzureichend ausgestattet. Zahlreiche wissenschaftliche Stellen blieben unbesetzt, Labore konnten nur teilweise betrieben werden, und einige geplante Forschungsbereiche wurden letztlich nie realisiert. Damit blieb das Tropenforschungsinstitut in seinem Wirkungsspektrum deutlich hinter den ursprünglichen Zielen zurück. Einige der Konzeptideen und Forschungsansätze flossen stattdessen in breitere kooperative Programme im Rahmen des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW / Comecon) ein, etwa in multilaterale Projekte, die kubanische wissenschaftliche Infrastruktur modernisierten oder technologische Zusammenarbeit in anderen Feldern förderten. In den späten 1970er Jahren verlagerte sich der Schwerpunkt der DDR‑Kuba‑Kooperation zunehmend auf große technologisch‑wissenschaftliche Vorhaben, darunter etwa den kubanischen Forschungsreaktor in Juraguá und geophysikalische Projekte. Bedeutung im Kontext der DDR‑Kuba‑Beziehungen Die Gründung des Tropeninstituts bleibt ein bemerkenswertes Kapitel der deutsch‑kubanischen Wissenschaftskooperation in der Zeit des Kalten Krieges. Sie zeigt, mit welchen Ambitionen beide Länder wissenschaftliche Zusammenarbeit planten und wie politische Solidarität in konkrete Projekte übersetzt werden sollte. Trotz seines begrenzten operativen Erfolgs war das Institut als sichtbarer Ausdruck der Partnerschaft symbolisch wichtig und trug dazu bei, die Beziehungen zwischen Havanna und Ost‑Berlin zu vertiefen. In Kuba – wo die Naturforschung und der Schutz tropischer Ökosysteme bis heute zentrale Anliegen sind – lebt der Name Alexander von Humboldt allerdings in anderer Form fort: Als Namensgeber des Alexander‑von‑Humboldt‑Nationalparks im Osten der Insel steht er für den außergewöhnlichen Artenreichtum der kubanischen Natur und die Bedeutung internationaler wissenschaftlicher Zusammenarbeit über politische Systeme hinaus.
Quellen: Helge Wendt (https://t1p.de/9dbg5), ntv (https://t1p.de/3v68h), ARD Medioathek (https://t1p.de/f0qb8)
Autor: Leon Latozke
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