Neues aus Kuba
Washington dreht die Schraube weiter: Kubas Tourismusministerium jetzt auf US-Sanktionsliste14/7/2026
14.07.2026 06:00 Uhr
Washington weitet seine Sanktionen gegen Kuba aus: Tourismusministerium, Hafenholding GEMAR und mehrere Staatsunternehmen stehen nun auf der Liste – ein neuer Schlag gegen die ohnehin krisengeschüttelte Wirtschaft der Insel.
Am Montag (13.) setzte das US-Finanzministerium zehn kubanische Institutionen und Staatsunternehmen auf seine Sanktionsliste – darunter erstmals das Tourismusministerium der Insel, einen der wenigen verbliebenen Devisenbringer des Landes. Rechtsgrundlage ist die Executive Order 14404, die Präsident Donald Trump am 1. Mai unterzeichnet hatte und die es Washington erlaubt, Vermögenswerte von Personen oder Organisationen einzufrieren, die der kubanischen Regierung wirtschaftlich zuarbeiten.
Betroffen sind neben dem Tourismusministerium die Hafen- und Schifffahrtsholding GEMAR, die Außenhandelsgesellschaft GECOMEX, die Finanz- und Versicherungsgesellschaft Caudal sowie die Treibstoffimporteure Enetec und Coreydan. Auch paramilitärische und regierungsnahe Organisationen stehen auf der neuen Liste: die Territorialmilizen, die als Schnelle Eingreifbrigaden bekannten bewaffneten Zivilkräfte sowie die Veteranenorganisation ACRC, der neben Kämpfern der Revolution von 1959 auch Kuba-Veteranen aus Angola und Äthiopien angehören. Hinzu kommt die staatliche Gesellschaft Antex, die kubanische Arbeitskräfte nach Angola entsendet – ein Programm, das Washington als Ausbeutung von Zwangsarbeit einstuft. Der Fall Mariel: Sanktionen als Katz-und-Maus-Spiel Besondere Brisanz erhält die Maßnahme durch die Sanktionierung von GEMAR. Das Unternehmen kontrolliert den Hafen von Mariel, mit einer Kapazität von 822.000 TEU der größte und modernste Kubas. Der Hafen gehörte ursprünglich der bereits sanktionierten Militärholding GAESA, wurde jedoch Medienberichten zufolge Ende Juni auf GEMAR übertragen – offenbar in der Absicht, internationalen Reedereien das Anlaufen des Hafens ohne Sekundärsanktionen zu ermöglichen. Dass nun auch GEMAR sanktioniert wurde, wirft die Frage auf, ob Havanna erneut eine Auffanggesellschaft finden kann, bevor Washington nachzieht. Unternehmen, die noch Verträge mit den betroffenen Einrichtungen haben, erhalten laut US-Finanzministerium eine Frist bis zum 12. August, um diese abzuwickeln, ohne selbst ins Visier zu geraten. Ein Tourismussektor am Boden Die Sanktionierung des Tourismusministeriums trifft eine Branche, die bereits am Boden liegt. Die Zahl ausländischer Besucher brach in den ersten Monaten des Jahres 2026 um 48 Prozent ein, internationale Kuba-Reisen fielen auf einen historischen Tiefstand. Treibstoffmangel führte zur Schließung von Ferienanlagen und zur Streichung von Flugverbindungen. Mehrere internationale Hotelkonzerne haben sich bereits zurückgezogen oder ihr Engagement drastisch reduziert, darunter die spanische Gruppe Meliá, der spanische Konzern Iberostar, die indonesische Kette Archipelago International sowie der kanadische Betreiber Royalton. Auch im Frachtverkehr zeigen sich Folgen: Die Reedereien Hapag-Lloyd und CMA CGM haben ihre Lieferungen nach Kuba vorerst eingestellt. Energiekrise verschärft die Notlage Die Sanktionen treffen Kuba inmitten einer sich zuspitzenden Versorgungskrise. Anfang Juli brach das nationale Stromnetz binnen weniger Tage zweimal vollständig zusammen, in mehreren Vierteln Havannas kam es daraufhin zu Protesten. In Teilen der Hauptstadt dauern geplante Stromabschaltungen inzwischen mehr als 24 Stunden, in ländlichen Regionen teils über 70 Stunden. Als eine Ursache gilt der Ausfall venezolanischer Öllieferungen infolge der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch die USA im Januar. Scharfe Töne auf beiden Seiten Kubas Außenminister Bruno Rodríguez Parrilla bezeichnete die Sanktionen bei einer UN-Debatte als Akt kollektiver Bestrafung und systematische Verletzung der Menschenrechte des gesamten kubanischen Volkes. Die US-Sanktionspolitik habe zwischen März 2025 und Februar 2026 einen wirtschaftlichen Schaden von acht Milliarden Dollar verursacht, so Rodríguez. Das US-Außenministerium begründete die Maßnahmen damit, gezielt die Finanzierungsquellen und Unterdrückungsinstrumente der kubanischen Führung treffen zu wollen. US-Außenminister Marco Rubio forderte Havanna zugleich auf, grundlegende Reformen umzusetzen, "bevor es zu spät ist" – eine neue Beziehung zwischen beiden Staaten sei möglich, sofern die Regierung zu politischem und wirtschaftlichem Wandel bereit sei. Beobachter verweisen jedoch darauf, dass die Liste sanktionierbarer kubanischer Institutionen zusehends kürzer wird, während Havanna mit Umstrukturierungen wie im Fall Mariel immer wieder neue Ausweichstrategien sucht. Autor: Leon Latozke
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