Neues aus Kuba
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Washington verlangt von Kuba schnelle, drastische Reformen. Zugleich sollen geheime Gespräche zwischen US-Außenminister Rubio und einem Castro-Enkel laufen.
19.02.2026 07:15 Uhr
Abbildung: Plaza de la Revolución La Habana. (bildquelle: Josefito123, Plaza de la Revolución La Habana 20240420 160554, Zuschnitt KUBAKUNDE, CC0 1.0)
Die US-Regierung erhöht inmitten der schweren Wirtschaftskrise in Kuba den Druck auf Havanna und fordert „sehr drastische und sehr baldige“ Veränderungen. Zugleich berichten US-Medien über angeblich vertrauliche Gespräche zwischen dem amerikanischen Außenminister Marco Rubio und Raúl Guillermo Rodríguez Castro, einem Enkel von Raúl Castro. Offiziell bestätigt sind diese Kontakte nicht.
Washington spricht von kollabierendem System Die Spreherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, erklärte am Mittwoch (18.) in Washington, Kuba stehe vor dem Zusammenbruch. Das Regime kollabiere, ebenso das Land, sagte sie. Aus Sicht der US-Regierung liege es im Interesse Havannas, „sehr drastische“ Änderungen vorzunehmen – und zwar umgehend. Konkrete Maßnahmen nannte sie nicht. Die Vereinigten Staaten wollten prosperierende Demokratien weltweit sehen, insbesondere auf dem amerikanischen Kontinent. Welche Schritte Washington dazu plane, ließ Leavitt offen. Auch Präsident Donald Trump hatte in den vergangenen Wochen wiederholt erklärt, das kubanische System werde ohne Unterstützung seines wichtigsten Verbündeten nicht überleben. Nach dem Vorgehen der USA gegen Venezuela Anfang Januar – bei dem Präsident Nicolás Maduro und dessen Ehefrau festgenommen wurden – verschärfte Washington den Ton gegenüber Havanna deutlich. Trump forderte die kubanische Führung auf, ein Abkommen mit den USA zu schließen, und drohte mit Sanktionen gegen Staaten, die die Insel weiterhin mit Erdöl versorgen. Am 29. Januar unterzeichnete Trump eine Exekutivanordnung, die zusätzliche Zölle auf Importe aus Ländern vorsieht, die Rohöl oder raffinierte Produkte nach Kuba liefern. Ziel ist es, die Energiezufuhr zur Insel zu unterbinden. Da zudem venezolanische Lieferungen nach der Festnahme Maduros ausblieben, geriet die Energieversorgung Kubas weiter unter Druck. Beobachter sprechen von der schwersten Krise seit Jahrzehnten. Berichte über inoffizielle Kontakte Vor diesem Hintergrund berichtete das US-Portal Axios unter Berufung auf anonyme Regierungsquellen, Rubio führe Gespräche mit Raúl Guillermo Rodríguez Castro, 41 Jahre alt, Sohn von Débora Castro und Luis Alberto Rodríguez López-Callejas. Die Kontakte sollen demnach außerhalb der offiziellen Kanäle zwischen Washington und Havanna stattfinden. Die Sprecherin des Weißen Hauses wollte entsprechende Berichte weder bestätigen noch dementieren. Auch Havanna bestreitet formelle Verhandlungen. Man räumte lediglich technische Kontakte ein, verneinte jedoch politische Gespräche zwischen den beiden langjährigen Gegnern. Axios zufolge betrachtet die Trump-Administration Rodríguez Castro und dessen Umfeld als Vertreter einer jüngeren Generation innerhalb der kubanischen Elite, die stärker geschäftsorientiert und weniger ideologisch geprägt sei. Ein hochrangiger US-Beamter sprach gegenüber dem Portal nicht von „Verhandlungen“, sondern von „Debatten“ über die Zukunft. Die offizielle Position Washingtons bleibe, dass das derzeitige Regime weichen müsse. Wie genau ein solcher Prozess aussehen solle, habe der Präsident allerdings noch nicht entschieden. Dem Bericht zufolge gelten die Kontakte als „überraschend freundschaftlich“. Gemeinsame kulturelle Wurzeln und Sprache erleichterten demnach den Austausch. Rubio, Sohn kubanischer Einwanderer, hatte den Sturz des Castro-Systems stets als politisches Ziel formuliert. Gespräche mit Kubas Präsidenten Miguel Díaz-Canel oder anderen Spitzenvertretern soll er hingegen nicht geführt haben. Mexiko bietet Vermittlung an Eine mögliche Vermittlerrolle nimmt Mexiko ein. Präsidentin Claudia Sheinbaum erklärte, ihre Regierung führe Gespräche mit dem Team Trump, um als Dialogkanal zu fungieren. Ob ein solcher Prozess zustande komme, hänge jedoch vom Willen aller beteiligten Regierungen ab. Unabhängig davon kündigte Mexiko an, weiterhin humanitäre Hilfe zu leisten. In Mexiko-Stadt seien Spenden gesammelt worden, die über Marineschiffe nach Havanna transportiert würden. Zugleich bemühe sich das Außenministerium um eine diplomatische Lösung für die Treibstoffblockade und um die Wiederaufnahme von Lieferverträgen des staatlichen Ölkonzerns Pemex mit Kuba, die Mitte Januar angesichts der US-Zolldrohungen ausgesetzt worden waren. Zwischen Anpassung und humanitärer Not Für die Regierung in Havanna sind die Optionen begrenzt. Entweder sie geht auf die Forderungen Washingtons ein und riskiert strukturelle Veränderungen, die die Stabilität des Systems infrage stellen könnten – oder sie steuert auf eine weitere Verschärfung der humanitären Lage zu. Die Führung um Díaz-Canel hat bereits neue Rationierungsmaßnahmen angekündigt, die Erinnerungen an die schwere Versorgungskrise der 1990er-Jahre wachrufen. In Washington wird unterdessen darüber spekuliert, ob Trump in Kuba ein ähnliches Modell verfolgen könnte wie in Venezuela. Dort blieb nach der Festnahme Maduros ein Großteil der bestehenden Machtstrukturen zunächst erhalten. Trump begründete dieses Vorgehen mit der Lehre aus dem Irakkrieg 2003, als die vollständige Entfernung der bisherigen Führung zu Instabilität geführt habe. Ob es in Kuba zu einem vergleichbaren Szenario kommt, ist offen. Klar ist jedoch: Der wirtschaftliche Druck wächst, die Energieversorgung ist unsicher, und die politische Zukunft der Insel wird zunehmend Gegenstand geopolitischer Strategien.
Quellen: EFE (https://t1p.de/zabmt), EL PAÍS (https://t1p.de/nta7s)
Autor: Leon Latozke
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