Neues aus Kuba
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15.05.2026 09:00 Uhr
Die USA planen eine Anklage gegen Ex-Präsident Raúl Castro. Wie US-Medien berichten, geht es um den Abschuss zweier Flugzeuge der Hilfsorganisation „Brüder zur Rettung“ im Jahr 1996 mit vier Toten.
Die US-Regierung erwägt, den früheren kubanischen Präsidenten Raúl Castro strafrechtlich zu verfolgen. Wie mehrere US-Medien am Donnerstag (14.) unter Berufung auf Regierungskreise berichteten, steht die geplante Anklage im Zusammenhang mit dem Abschuss eines Flugzeugs im Jahr 1996. Der Sender CBS gab an, dass sich die Vorwürfe gegen den 94-jährigen Ex-Machthaber auf den Abschuss von Maschinen der Hilfsorganisation Hermanos al Rescate stützen. Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte mit der Angelegenheit vertraute Personen, die die Informationen bestätigten. Die Entwicklung ist Teil einer wachsenden Konfrontation zwischen Washington und Havanna, die durch einen überraschenden Besuch des CIA-Direktors auf der Insel noch zusätzliche Brisanz erhält.
Um die Anklage offiziell zu erheben, benötigt das US-Justizministerium die Zustimmung eines Grand Jury-Gremiums. Ein namentlich nicht genannter Vertreter des Ministeriums erklärte gegenüber Reuters, dass Bearbeitung der Akte gegen Raúl Castro forciert werden solle. Der genaue Zeitpunkt für die Einreichung sei allerdings noch nicht festgelegt worden. Bereits im März hatte der Generalstaatsanwalt von Florida angekündigt, eine zuvor eingestellte staatliche Untersuchung zu dem Zwischenfall von 1996 wieder aufnehmen zu wollen. Damals, am 24. Februar 1996, schossen MiG-Kampfflugzeuge der kubanischen Luftwaffe zwei zivile Cessna 337 der Organisation Hermanos al Rescate ab. Vier Freiwillige, die im Rahmen ihres Einsatzes nach kubanischen Flüchtlingen auf dem Meer Ausschau hielten, kamen dabei ums Leben. Die internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO stellte später fest, dass sich die Maschinen zum Zeitpunkt des Angriffs in internationalen Gewässern über der Floridastraße befanden, während Kuba eine Verletzung seines Hoheitsraums reklamierte. Raúl Castro, der 2021 den Vorsitz der Kommunistischen Partei Kubas aufgab, gilt nach wie vor als zentrale Figur innerhalb der Führungselite des Karibikstaates. Als Bruder des legendären Revolutionsführers Fidel Castro bekleidete er über Jahrzehnte hinweg zentrale Machtpositionen. Nach dem Triumph der Revolution von 1959 und dem Ende der Sowjetunion, das in Kuba zu einer Phase extremer Knappheit und Hunger führte, profilierte sich Raúl Castro als pragmatischer Stratege. Er setzte auf eine behutsame wirtschaftliche Öffnung und baute die Rolle des Militärs als Stabilitätsanker aus. Die von ihm eingeleiteten, wenn auch begrenzten Reformen sollten dem unter der Embargopolitik leidenden Land neue Impulse geben. Zugleich war er der Architekt der historischen Annäherung an die USA unter Präsident Barack Obama, ein diplomatischer Wandel, der die Überlebensfähigkeit des sozialistischen Systems sichern sollte. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern bleiben allerdings äußerst angespannt. Die von der Regierung Donald Trump verschärfte Wirtschaftsblockade hat zu einer dramatischen Wirtschaftskrise geführt, die sich in anhaltenden Stromausfällen, Treibstoff- und Nahrungsmittelknappheit äußert. Washington hat der Regierung von Präsident Miguel Díaz-Canel inzwischen humanitäre Hilfe in Höhe von 100 Millionen US-Dollar für den Kauf von Lebensmitteln und Medikamenten angeboten, ein Angebot, das Havanna überraschend annahm. Am Donnerstag reiste darüberhinaus überraschend CIA-Direktor John Ratcliffe nach Havanna, um dort ein Treffen mit Raúl Rodríguez Castro, dem Enkel und engsten Vertrauten von Raúl Castro, sowie Kubas Innenminister Lázaro Álvarez Casas und dem Chef der kubanischen Geheimdienste abzuhalten. Rartcliffe überbrachte Trumps Angebot zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit – jedoch nur bei grundlegenden inneren Reformen.
Quelle: Elpais (https://is.gd/Ql8g7A)
Autor: Leon Latozke
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