|
18.9.2026 17:00 Uhr
Vier Nickel-Betriebe, vier Militäreinrichtungen, drei Offiziere: Washington fährt seine Sanktionsspirale gegen Kuba fort. Havanna spricht von „kollektiver Bestrafung" – und verspricht Widerstand.
Abbildung: Kuba unter Druck - US-Aussenminister Rubio sanktioniert acht Firmen und drei Offiziere (Archivbild US Departmant of State, Secretary Rubio, Zuschnitt KUBAKUNDE, CC0 1.0)
Die US-Regierung hat am Donnerstag (17.) eine neue Runde von Sanktionen gegen acht kubanische Staatsunternehmen und drei Militäroffiziere verhängt. Betroffen sind vier Betriebe aus der Nickelindustrie sowie vier Einrichtungen, die dem Militärforschungs- und -entwicklungsapparat der Insel zugerechnet werden.
Außenminister Marco Rubio erklärte, die vier neu gelisteten Bergbau-Unternehmen – die Empresa de Ingeniería y Proyectos del Níquel (Ceproníquel), das Centro de Investigaciones del Níquel (Cediníq), die Empresa de Servicios Técnicos de Computación, Comunicaciones y Electrónica (Serconi) sowie Pinares S.A. – plünderten die kubanischen Nickelreserven zugunsten des „Regimes". Die übrigen vier Einrichtungen seien in Forschung und Entwicklung von Waffensystemen, maritimen Fähigkeiten und Gefechtssimulationen involviert: das Centro de Investigación y Desarrollo de Armamento de Infantería (Cidai), das Centro de Investigación y Desarrollo de Simuladores (Simpro), das Centro de Investigación y Desarrollo Naval (Cidnav) sowie das Centro de Investigación, Desarrollo y Producción Grito de Baire. Zusätzlich sanktionierte das State Department drei Offiziere, die diesen Einrichtungen vorstehen sollen: Oberst Joaquín Francisco Cancio Monteagudo (Simpro), Hauptmann Dioglis Pedrera Argüello (Cidnav) und Erster Oberst Julio Hurtado Betancourt (Cidai). Rubio: Regime „kanalisiert Ressourcen zur Elite"
Rubio erklärte, das kubanische Regime habe „jahrzehntelang sämtliche Ressourcen der Insel zu einer verkleinerten und korrupten Militärelite gelenkt" und lasse die einfache Bevölkerung „ohne verlässlichen Zugang zu Strom, Nahrung oder Würde" zurück. Die Regierung Trump werde nicht tatenlos zusehen, wie sich die kubanische Elite am Rohstoffreichtum der Insel bereichere, während das kubanische Volk Not leide. Rechtsgrundlage der Maßnahmen ist die Executive Order 14404, mit der Trump am 1. Mai Sanktionen gegen Verantwortliche für Repression in Kuba sowie gegen Bedrohungen der nationalen Sicherheit und Außenpolitik der USA angeordnet hatte.
Die neue Sanktionsrunde reiht sich in eine seit Jahresbeginn dichte Abfolge von US-Sanktionen gegen kubanische Staatsstrukturen ein. Allein 2026 gab es Sanktionen, die zusammen rund 40 Unternehmen und mindestens 38 Personen betrafen – darunter im Mai der Militärkonglomerat GAESA und die Nickel-Beteiligung Moa Nickel S.A., im Juni Präsident Miguel Díaz-Canel und Teile seiner Familie sowie im August und September weitere Nickel-, Stahl- und Bauunternehmen. Der erneute Fokus auf den Nickelsektor fällt zudem in eine für die Branche besonders sensible Phase: US-Investoren verhandeln derzeit über den Einstieg in jene Vermögenswerte, die zuvor die kanadische Sherritt International in Moa, Holguín, betrieben hatte. Gillon Capital, geführt vom texanischen Geschäftsmann und früheren Trump-Berater Ray Washburne, hatte im Mai eine unverbindliche Vereinbarung über den Erwerb von 55 Prozent an Sherritt erzielt und im Juni eine auf 120 Tage befristete Exklusivitätsvereinbarung unterzeichnet, die im Oktober ausläuft. Ein Gegenangebot ging bereits Ende Juni bei Sherritts Vorstand ein: ein Konsortium aus dem Rohstoffkonzern Glencore, dem Londoner Investmenthaus Kyma Capital und dem Hedgefonds-Investor Trifon Natsis – der texanische Öl- und Gasunternehmer Albert Huddleston wurde erst später als dessen US-Ankerinvestor identifiziert. Die kubanische Regierung soll dem Einstieg US-amerikanischen Kapitals in diese Betriebe bereits grundsätzlich zugestimmt haben; auch State Department und Finanzministerium sollen sich einer möglichen Einigung mit Gillon nicht in den Weg stellen. Havanna weist Sanktionen zurück
Kubas Außenminister Bruno Rodríguez wies die neuen Maßnahmen am Freitag über X zurück. Rubio gehe mit seiner Politik der „maximalen wirtschaftlichen Erstickung und kollektiven Bestrafung des kubanischen Volkes“ erneut gegen Institutionen und Personen der Insel vor, so Rodríguez. Die USA würden mit ihrem Versuch, Cuba „in die Knie zu zwingen", scheitern; die Souveränität und Unabhängigkeit, die in „fast 70 Jahren Revolution" erkämpft worden seien, werde man niemals aufgeben.
Die Sanktionen fügen sich in eine seit Jahresbeginn verschärfte Druckkampagne ein. Seit Ende Januar hält Washington ein Rohöl-Embargo gegen die Insel aufrecht, das die ohnehin schwere Energiekrise weiter verschärft hat, nachdem mehrere Lieferländer, darunter Mexiko, ihre Lieferungen ausgesetzt hatten. Zusätzlich zu direkten Sanktionen gegen Staatsunternehmen und Funktionäre setzt die US-Regierung auch ausländische Firmen unter Druck, ihre Geschäftsbeziehungen zu Havanna zu beenden. Autor: Leon Latozke
Letzte Meldungen
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |
Dossiers
Mediathek
Anzeige (M2) Anzeige (G4) Achiv
Archiv
September 2026
|


RSS-Feed