Neues aus Kuba
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22.04.2026 10:00 Uhr
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Die Wasserversorgung in Havanna ist nach Angaben des staatlichen Unternehmens Aguas de La Habana in praktisch allen Stadtteilen stark beeinträchtigt. Offizielle Zahlen sprechen von 200.000 Betroffenen, Bewohner berichten von wochenlangem Wassermangel.
Abbildung: Symbolbild/Screenshot. Bildquelle: Cuba se queda Sin AGUA y Combustible! Así sobrevivimos a la Nueva Crisis.. Rechte beim Uploadenden.
Das staatliche Versorgungsunternehmen Aguas de La Habana musste kürzlich einräumen, dass der die Beeinträchtigung der Wasserversorgung „praktisch alle Orte“ der Hauptstadt erfasst habe. Eine offizielle Pressemitteilung vom 18. April spricht von einer schweren Beschädigung einer 48-Zoll-Leitung in der Cuenca Sur, einer der Hauptversorgungsadern, die zu Unterbrechungen in weiten Teilen der Municipios Plaza de la Revolución, Cerro, Diez de Oktober und Boyeros führte. In Zentrumsbezirken wie Centro Habana und Habana Vieja wurde der Dienst auf einen rationierten Notbetrieb umgestellt.
Die offiziell genannte Zahl von etwa 200.000 direkt Betroffenen, was etwa elf Prozent der Hauptstadtbevölkerung entspricht, wird von den Bewohnern jedoch als stark untertrieben und realitätsfern zurückgewiesen. In den sozialen Netzwerken und in Gesprächen mit Bürgern zeichnet sich ein weitaus düstereres Bild ab. Eine Anwohnerin aus Centro Habana berichtet von 25 Tagen ohne fließend Wasser, in denen ein als „nur für vulnerable Fälle“ deklarierter Wassertanker ihr eine Bitte um Wasser abschlug. Sie müsse sich mit drei Eimern Wasser behelfen, um sich zu waschen, zu kochen und zu trinken. „Wenn wir weiterhin ohne Wasser dastehen, wird es heftig werden: Die Leute tolerieren Stromausfälle mehr als den Wassermangel“, kommentiert ein junger Bewohner die angespannte Stimmung. Die Krise offenbart die tiefe Dysfunktionalität einer jahrzehntelang vernachlässigten Infrastruktur. Bei einer Pressekonferenz gaben Direktoren von Aguas de La Habana zu, dass die Lieferzyklen in vielen Gebieten völlig unhaltbar geworden seien. In Aldabó, Boyeros, können die Bewohner bis zu einem Monat auf Wasser warten. Als Hauptgründe für die Unterbrechungen nannten die Verantwortlichen zu etwa 40 Prozent defekte Pumpen, gefolgt von Stromausfällen mit 39 Prozent. Ein Teufelskreis, den ein aufgebrachter Bürger auf Facebook auf den Punkt bringt: „An dem Tag, an dem sie Wasser geben, schalten sie den Strom ab, und man kann nicht pumpen, um die Tanks zu füllen.“ Diese Abhängigkeit von einem instabilen Stromnetz macht jede Besserung zu einer ungewissen Hoffnung. Die Behörden versprechen zwar die Installation neuer Pumpen und Generatoren sowie Reparaturen, doch konkrete Zeitpläne bleiben aus, was bei der ausgezehrten Bevölkerung nur auf Skepsis stößt. Besonders zynisch wirkt vor diesem Hintergrund eine jüngste Werbekampagne des Versorgers, der die Digitalisierung seiner Dienste und Online-Zahlungen als „modernen“ Fortschritt zur „Stressminimierung“ feiert. Für die Habaneros, die in Reina, Centro Habana, täglich die Entscheidung treffen müssen, ob sie Wäsche waschen oder Geschirr spülen, und für die Gastronomiebetriebe, die mangels Wassers schließen müssen, ist der dringendste technologische Fortschritt ein simpler: der Zugang zu einem grundlegendsten Lebensmittel. Die Krise hat längst auch prestigeträchtige Viertel wie Nuevo Vedado erreicht, wo selbst Regierungsbüros nur noch wenige Stunden täglich mit Wasser versorgt wird. Die offiziellen Stellungnahmen, die von „komplexen“ und „angespannten“ Situationen sprechen, verschleiern das wahre Ausmaß der Katastrophe. Kommentatoren weisen darauf hin, dass ganze Bezirke wie Guanabacoa in den Verlautbarungen gar nicht erwähnt werden, obwohl auch sie seit über zwei Wochen ohne Versorgung sind. Die jüngste Leitungsbruch ist somit kein isolierter Vorfall, sondern das Symptom eines systemischen Kollapses. Die Wasserkrise in Havanna ist zu einer existenziellen Belastungsprobe geworden, die die Geduld der Bevölkerung an ihre Grenzen bringt und die Kluft zwischen behördlicher Rhetorik und gelebter Realität täglich vergrößert. Autor: Leon Latozke
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