Neues aus Kuba
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Der brasilianische Tischtennisstar Hugo Calderano darf nicht am Grand-Smash-Turnier in Las Vegas teilnehmen – wegen einer früheren Reise nach Kuba. Die US-Behörden verweigerten dem Weltranglistendritten die visumfreie Einreise, da Kuba seit 2021 wieder auf der US-Liste der Terrorunterstützer steht.
Der brasilianische Tischtennisspieler Hugo Calderano, derzeit die Nummer drei der Weltrangliste, darf nicht am „US Grand Smash“ in Las Vegas teilnehmen. Die US-Behörden verweigerten dem Vizeweltmeister die Einreise – mit Verweis auf eine Reise des Sportlers nach Kuba im Jahr 2023. Der Fall wirft ein grelles Licht auf die verschärfte Visapolitik der Vereinigten Staaten gegenüber Reisenden mit Aufenthalten in Ländern, die von Washington als Unterstützerstaaten des Terrorismus eingestuft werden. Kuba steht seit Anfang 2021 wieder auf dieser Liste.
Calderano hatte seine Teilnahme am olympischen Qualifikationsturnier auf Kuba als Teil seines sportlichen Kalenders wahrgenommen. Dass ihm dies nun den Zugang zu einem der wichtigsten Turniere der Saison verwehrt, verdeutlicht die praktischen Auswirkungen der US-amerikanischen Außenpolitik – selbst auf dem internationalen Sportparkett. Visafreie Einreise abgelehnt Der 29-Jährige, der sowohl die brasilianische als auch die portugiesische Staatsbürgerschaft besitzt, hatte wie in der Vergangenheit eine visumfreie Einreise über das elektronische Genehmigungssystem ESTA beantragt. Diese wurde jedoch mit Verweis auf seinen Aufenthalt in Kuba abgelehnt. Die aktuelle Gesetzeslage sieht vor, dass Bürger aus Ländern des sogenannten Visa-Waiver-Programms – darunter auch Portugal – ein reguläres Visum beantragen müssen, wenn sie seit dem 12. Januar 2021 nach Kuba gereist sind. Eine kurzfristige Visumserteilung scheiterte offenbar trotz Unterstützung des brasilianischen Tischtennisverbandes und des US-Olympiakomitees am bürokratischen Ablauf: Calderano erhielt keinen rechtzeitigen Konsulatstermin. „Es ist frustrierend, aus Gründen, die außerhalb meiner Kontrolle liegen, von einem der wichtigsten Wettbewerbe der Saison ausgeschlossen zu sein“, erklärte der Sportler auf seiner Website. Er habe sich an die gleichen Einreiseprotokolle gehalten wie bei all seinen früheren Reisen in die USA. Rückkehr auf die Schwarze Liste Kuba war bereits unter Präsident George W. Bush auf der Liste der „State Sponsors of Terrorism“ geführt worden, wurde unter Barack Obama jedoch 2015 im Zuge einer diplomatischen Annäherung gestrichen. Im Januar 2021 – nur wenige Tage vor dem Amtsantritt von Joe Biden – setzte die Administration von Donald Trump die Karibikinsel erneut auf die Liste. Als Begründung wurden kubanische Unterstützungsleistungen für die venezolanische Regierung sowie die Aufnahme kolumbianischer Guerillakämpfer angeführt. Die Biden-Regierung hat diese Entscheidung bislang nicht rückgängig gemacht. Die Folgen für internationale Reisende sind gravierend: Wer seit Januar 2021 nach Kuba eingereist ist, kann nicht mehr über das vereinfachte ESTA-Verfahren in die USA reisen. Stattdessen ist ein regulärer Visumsantrag erforderlich – samt langwieriger Bearbeitungszeit und teils monatelanger Wartefristen in US-Konsulaten weltweit. Besonders betroffen sind Reisende aus Europa, Kanada und Japan, die das visafreie Verfahren über Jahre hinweg als Standardnutzen. Experten warnen davor, Aufenthalte in Kuba zu verschweigen. Auch wenn kubanische Grenzbeamte mittlerweile häufig auf Stempel im Pass verzichten, ist eine Entdeckung durch US-Behörden keineswegs ausgeschlossen. Medienberichte legen nahe, dass neben Passkontrollen auch Social-Media-Profile oder Flugbuchungsdaten in stichprobenartigen Kontrollen herangezogen werden. Ein nachgewiesener Verstoß kann nicht nur zur sofortigen Zurückweisung an der Grenze führen, sondern auch zu einem mehrjährigen oder gar lebenslangen Einreiseverbot. Sportlicher Rückschlag mit politischem Beigeschmack Für Calderano ist der Ausschluss aus dem Turnier nicht nur ein persönlicher und sportlicher Rückschlag, sondern auch ein symbolischer Fall für die politischen Verwerfungen, die das Verhältnis zwischen den USA und Kuba weiterhin prägen. Die Tatsache, dass selbst Spitzensportler bei professionellen, unpolitischen Aufenthalten auf Kuba unter die verschärften Regelungen fallen, zeigt die weitreichenden Konsequenzen der US-Politik.
Quelle: DLF (https://t1p.de/193td)
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Text: Leon Latozke
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