Neues aus Kuba
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20.05.2026 15:00 Uhr Die kubanische Regierung hat das vorzeitige Ende des Schuljahres bekannt gegeben. Hintergrund sind die massiven Auswirkungen der US-Blockade Kubas Bildungsministerium hat angesichts der anhaltenden Wirtschaftskrise und der verschärften US-Sanktionen weitreichende Änderungen für das laufende Schuljahr beschlossen. Wie Bildungsministerin Naima Ariatne Trujillo Barreto am Dienstag (19.) in der staatlichen Fernseh- und Rundfunksendung Mesa Redonda bekannt gab, wird das Schuljahr vorzeitig zwischen dem 15. und 30. Juni enden – deutlich früher als ursprünglich geplant. Zugleich entfallen die zentralen Aufnahmeprüfungen für die Hochschulen. Es ist bereits der dritte große Eingriff in den Schulbetrieb innerhalb kurzer Zeit, wie die Ministerin einräumte. Sie sprach von einer Phase „außergewöhnlicher Sensibilität, Opferbereitschaft und eines enormen Engagements“, das nicht selten an „alltäglichen Heroismus“ grenze. Die Maßnahmen seien eine direkte Reaktion auf die aggressive Politik der US-Regierung, die das Land in eine tiefe Versorgungskrise gestürzt habe. Trujillo Barreto betonte, dass der Bildungssektor unter extremen Bedingungen arbeite. „Nach einer Nacht ohne Strom in die Schule zu gehen, die Kinder zu motivieren, der Unterricht selbst – alles ist eine Herausforderung“, schilderte sie den Alltag. Zudem litten die Lehrkräfte unter denselben Problemen wie die Familien: fehlende Energie, unzureichende Wasserversorgung, logistische Engpässe. Dennoch habe man versucht, jedem Schüler und jeder Schule individuell gerecht zu werden. Besonders schutzbedürftige Kinder und Jugendliche, die in abgelegenen Gebieten leben oder kaum Kontakt zu ihrer Bildungseinrichtung haben, wurden demnach gesondert betreut. In Spitzenzeiten befanden sich zwischen 10.000 und 22.000 Schüler in dieser Kategorie. „Für jeden Einzelnen haben wir nach Lösungen gesucht“, sagte die Ministerin. Ein Schwerpunkt lag auf den Abschlussklassen: der sechsten, neunten und zwölften Jahrgangsstufe. Sie wurden mit besonderem Nachdruck gefördert. Die Art und Weise, wie diese Schüler ihre Schulzeit beenden, werde auch darüber entscheiden, wie sie in den weiterführenden Bildungseinrichtungen aufgenommen werden. Trujillo Barreto verwies auf die langjährige Erfahrung der kubanischen Pädagogik mit individualisierten Lernformen, die bereits während der Corona-Pandemie erprobt worden seien. Allerdings fehle diesmal die technische Infrastruktur, die damals noch zur Verfügung stand. Die Evaluationsverfahren wurden flexibilisiert, ohne jedoch die Anforderungen herabzusetzen. Systematische Beobachtungen durch die Lehrkräfte und die Einbeziehung der Eltern in den Bewertungsprozess sollen die klassischen Prüfungen ersetzen. „Ein guter Lehrer, der mit den Familien zusammenarbeitet, kann oft ein vollständigeres Bild vom Leistungsstand eines Schülers gewinnen als eine einmalige Prüfung, bei der man am letzten Tag noch alles hineinstopft“, argumentierte die Ministerin. Der vorzeitige Abschluss des Schuljahres bedeutet nicht das Ende des Schulbetriebs. Die Bildungseinrichtungen bleiben geöffnet – als soziale Anlaufstellen für Kinder in besonderen Risikolagen. In den Schulen sollen auch die Abschlussfeiern stattfinden, notfalls in den Stadtteilen oder Gemeinden. „Wir können die Freude über diesen wichtigen Meilenstein nicht einfach streichen“, so Trujillo Barreto. Die Sonderschulen werden bereits im Mai schließen, da sie besondere Anforderungen an Mobilität und Betreuung stellen. Die Vorschuleinrichtungen (Círculos Infantiles) passen ihre Öffnungszeiten den Arbeitsbedingungen der Eltern an, sofern die Versorgung mit Lebensmitteln und Transportmitteln dies zulässt. Auch die Sportschulen des INDER und die Kultureinrichtungen des Kultusministeriums beenden das Schuljahr früher, bleiben aber für die allgemeine Bildungsarbeit verfügbar. Die Ministerin fasste die Maßnahmen in drei Punkten zusammen: Vorverlegung des Schuljahresendes auf den Zeitraum 15. bis 30. Juni, Offenhaltung der Schulen für sozialpädagogische Betreuung und Flexibilisierung der Unterrichtsformen. Zugleich rief sie zu Einheit und Wachsamkeit auf und verwies auf die Angebote des Ministeriums in sozialen Netzwerken und auf der eigenen Webseite für Beschwerden und Anregungen. Die Bildungsministerin schloss mit einem Appell an die Eltern, die Schüler und insbesondere die Lehrkräfte: „Sie sehen, wie die Lehrer unter denselben Bedingungen leiden wie alle anderen – manchmal sogar noch mehr wegen ihres Berufs. Unser Dank gilt ihnen immer, und unsere Aufforderung, wie gewohnt mit der nötigen Sorgfalt und Tiefe zu Ende zu führen, was unter so außergewöhnlichen Umständen begonnen wurde.“ Quelle: Cubadebate (https://t1p.de/xb8me)
Autor: Leon Latozke
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