Neues aus Kuba
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15.06.2026 07:00 Uhr
In Kuba werden jetzt auch Hostien knapp. Die anhaltenden Stromausfälle im Land behindern die Produktion im einzigen Kloster Havannas.
Die Liste der Mangelwaren auf Kuba wird länger, und nun hat sie ein geradezu symbolträchtiges Element erreicht: die Kommunion für die katholischen Gläubigen. Priester auf der Insel haben am Sonntag (14.) bestätigt, dass sie angewiesen wurden, die kleinen Oblaten, die während der Messe den Leib Christi symbolisieren, streng zu rationieren. Die Hostien, hergestellt aus einer einfachen Mischung von Mehl und Wasser, die zu flachen Scheiben gepresst werden, sind für den Ritus unverzichtbar. Doch ihre Produktion steht vor enormen Schwierigkeiten.
Alle Hostien, die von Kubas Katholiken konsumiert werden, stammen aus einem einzigen Kloster der Karmelitinnen in Havanna. Dieses Kloster, das wie der gesamte Stadtteil und das ganze Land unter anhaltenden Stromausfällen leidet, sieht sich durch die sich verschärfende Energiekrise in seiner Produktion massiv beeinträchtigt. Die Ausfälle, die durch die seit fünf Monaten andauernde US-amerikanische Ölblockade noch verschlimmert werden, haben in den letzten Wochen teilweise mehr als 24 Stunden am Stück gedauert und stürzen Millionen Kubaner in Not und Frustration. George Payano, ein 35-jähriger dominikanischer Priester, der am Sonntag eine Messe in einem Konvent zelebrierte, beschrieb gegenüber AFP die prekäre Lage: Die Nonnen hätten manchmal nur etwa zwei Stunden am Tag Strom, um die Hostienpressen zu betreiben. „Das bedeutet eine geringere Produktion, und wie sie den Priestern und Bischöfen mitteilten, muss man die Hostien ein wenig rationieren, damit sie für alle reichen“, erklärte Payano. Die etwa 20 Gläubigen, die an seinem Gottesdienst teilnahmen, empfingen zwar noch die Kommunion, bereiteten sich jedoch bereits auf härtere Zeiten vor. „Menschen, die keine Kommunion empfangen, können dies geistig tun, aber hoffen wir, dass es nicht so weit kommt“, sagte Mariela Shuman, eine 70-jährige Rentnerin. Die Situation ist ein weiteres eindrückliches Beispiel dafür, wie die allgegenwärtige Krise in Kuba selbst die tiefsten spirituellen Rituale des Alltags berührt. Die Hostienknappheit, so beiläufig sie inmitten von Ernährungs- und Medikamentenmangel erscheinen mag, offenbart die vollständige Durchdringung der kubanischen Gesellschaft durch die wirtschaftlichen Zwänge. Für viele Gläubige ist der Gedanke, die Eucharistie – das zentrale Sakrament des katholischen Glaubens – nicht mehr physisch empfangen zu können, ein schmerzlicher Einschnitt. Die Anweisung zur Rationierung ist ein Zeichen der Zeit, eine bittere Lektion in Demut für eine Gemeinde, die bereits gelernt hat, mit fast allem Mangel zu leben.
Quelle: AFP (https://t1p.de/cjs8e)
Autor: Leon Latozke
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