Neues aus Kuba
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21.06.2026 08:00 Uhr
Für viele Inselbewohner sind die beschlossenen Reformen ein Hoffnungsschimmer in der Krise. Exil-Kubaner in Miami hingegen bleiben auf Distanz: Ohne politische Veränderung und Rechtssicherheit werden sie nicht investieren, so die einhellige Meinung.
Die Ankündigung kam am Donnerstag (18.), doch viele Kubaner bekamen sie gar nicht mit. Der Grund: Stromausfälle. Ein Großteil der Bevölkerung verfolgte die Rede von Präsident Miguel Díaz-Canel nicht live, weil in weiten Teilen des Landes seit Monaten regelmäßig die Elektrizität ausfällt. Die USA unter Präsident Donald Trump hatten im Januar die Treibstoffimporte nach Kuba gestoppt, was die ohnehin angespannte Versorgungslage auf der Insel weiter verschärfte. Die kubanische Regierung reagierte nun mit einem Paket von 176 Maßnahmen, das als die radikalsten freien Marktreformen seit der Machtübernahme von Fidel Castro im Jahr 1959 beschrieben wird.
Die Reformen zielen direkt auf die im Ausland lebenden Kubaner ab. Sie sollen künftig die Möglichkeit erhalten, Unternehmen auf der Insel zu gründen, Anteile an staatlichen Betrieben zu erwerben und die Tourismusinfrastruktur auszubauen. "Wenn es richtig umgesetzt wird, könnte es wunderbar funktionieren", zitierte die Nachrichtenagentur AFP den 43-jährigen Carlos Dibus, der vor 19 Jahren nach Norwegen ausgewandert war und nun in Havanna frühstückte. "Es ist nicht so, dass wir zum Kapitalismus übergehen würden, sondern zu einer offeneren Form des Sozialismus, wie China seinerzeit", so Dibus weiter. Er plane, in einigen Jahren nach Kuba zurückzukehren und möglicherweise ein Geschäft zu eröffnen. Anders fiel die Reaktion in den Washington aus: Ein Sprecher des US-Außenministeriums bezeichnete die Transformation als "oberflächliche Rauchzeichen" und kündigte an, Trump werde weiter Druck ausüben, um "wesentlich substantiellere wirtschaftliche und politische Reformen zu erreichen, die Kuba investitionswürdig machen." Auch in Miami betrachteten die Exil-Kubaner die Maßnahmen mit großer Skepsis. Carlos Saladrigas, Präsident einer Personalberatungsfirma und zugleich Leiter der Denkfabrik Cuba Study Group, warnte: "Wenn sie kosmetische oder vorübergehende Veränderungen anstreben, um Washington zufriedenzustellen, wird das nicht ausreichen." Solange es keine politische Sicherheit für Kuba gebe, sei es äußerst schwierig, ausländisches Kapital anzuziehen. Noch deutlicher wurde Emilio Morales, Präsident der Havana Consulting Group. Er wies die Reformen gegenüber AFP als verzweifelten Versuch der kubanischen Regierung zurück, an der Macht zu bleiben. "Die kubanische Exilgemeinde wird nicht in Kuba investieren, wenn es keinen politischen Wandel gibt", zitierte ihn die Agentur. "Diese Leute haben 67 Jahre lang alle getäuscht!" Auf der Insel selbst hingegen wächst die Sehnsucht nach Veränderung. Die anhaltenden Engpässe bei Nahrungsmitteln, Wasser, Treibstoff und Medikamenten setzen der Bevölkerung schwer zu. "Es muss sich etwas ändern, denn wir können so nicht weiterleben, wir sterben vor Hunger", zitiert AFP eine ältere Frau aus Havanna, die anonym bleiben wollte. Die 62-jährige Amarilys Veloz, die in der Altstadt von Havanna eine Ferienwohnung betreibt und seit der Blockade kaum noch Gäste hat, begrüßte die Gelegenheit, "sich der Welt zu öffnen". Auch die sogenannten "Mipymeros", also die Inhaber kleiner und mittlerer Unternehmen, die in den vergangenen fünf Jahren die staatlichen Versorgungsläden weitgehend ersetzt haben, reagierten verhalten optimistisch. Marta Deus, die 38-jährige Gründerin des Lieferdienstes Mandao, zeigte sich erleichtert über die Aufhebung der Beschränkungen für die Anzahl und Größe von Unternehmen, die eine einzelne Person besitzen darf. Ihr Unternehmen befinde sich seit Monaten im "Überlebensmodus", da die ständigen Stromausfälle Lieferungen durch unterbrochene Mobilfunksignale stoppten und Lieferfahrer ohne Strom für ihre Elektroroller ließen. Die Reformen, so Deus, hätten ihr einen Hauch von "Hoffnung" gegeben.
Quelle: AFP (https://t1p.de/p709n)
Autor: Leon Latozke
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