Neues aus Kuba
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09.06.2026 10:00 Uhr
Ausländische Hotel-Betreiber in Kuba wurdendurch US-Sanktionen unter Druck gesetzt – nun könnten Marriott und Airbnb auf die Insel zurückkehren, wo sie bereits während der Entspannung unter Barack Obamas zweiter Amtszeit aktiv waren.
Seit dem 1. Mai dieses Jahres steht die kubanische Wirtschaft unter einem nie dagewesenen Druck. Mit einer Executive Order hat US-Präsident Donald Trump die Sanktionen gegen die Insel massiv verschärft. Die Maßnahmen zielen nicht nur darauf ab, die ohnehin krisengeschüttelte Wirtschaft Kubas weiter zu strangulieren, sondern auch den Weg für US-amerikanische Unternehmen zu ebnen, die zuvor während der Entspannungsphase unter Barack Obama auf der Insel aktiv waren, so die spanische Tageszeitung EL PAÌS in einem aktuellen Bericht. "Sie wollen das Geschäft der Galicier übernehmen", zitierte das Blatt schon vor zwei Wochen Geschäftskreise, die der kubanischen Regierung nahestehen – eine Anspielung auf spanische Hotelketten, die seit Jahrzehnten den Tourismussektor auf der Insel dominieren.
Die Executive Order vom Mai droht, Vermögenswerte aller ausländischen Unternehmen oder Privatpersonen einzufrieren, die mit dem kubanischen Regime Geschäfte machen – insbesondere mit der GAESA, dem Militärkonglomerat, das die Hälfte des kubanischen Bruttoinlandsprodukts kontrolliert. Die Wirkung dieser Drohung ließ nicht lange auf sich warten. Innerhalb weniger Wochen waren zwei große spanische Hotelketten, Meliá und Iberostar, gezwungen, die Verwaltung von 15 beziehungsweise 12 Hotels aufzugeben, die sich im Besitz der Streitkräfte befanden. Der Rückzug wird sie jedoch nicht vor Klagen der kubanischen Regierung bewahren, die für die einseitige Kündigung der Managementverträge Schadensersatz fordern wird. Auch das kanadische Unternehmen Blue Diamond und das indonesische Unternehmen Archipelago International haben sich vollständig zurückgezogen. Zwei der größten Reedereien der Welt, CMA CGM (Frankreich) und Hapag-Lloyd (Deutschland), haben ihre Containerlieferungen eingestellt. Der Exodus trifft nicht nur den Tourismus, das wirtschaftliche Standbein Kubas, sondern auch den Bergbau, der ein Drittel der Warenexporte ausmacht. Die kanadische Sherritt International, die ein Joint Venture mit der kubanischen Regierung betrieb, hat laut EL PAÍS eine unverbindliche Vereinbarung getroffen, wonach Gillon Capital, eine Firma, die mit einem früheren Berater von Donald Trump verbunden ist, einen 55-Prozent-Anteil erwerben soll. Die ersten Kandidaten für eine Rückkehr auf die Insel könnten ausgerechnet jene US-Konzerne sein, die bereits während der Annäherung unter Obama aktiv waren: Marriott, der weltgrößte Hotelkonzern mit 7.781 Häusern, und Airbnb, die größte Plattform für Kurzzeitvermietungen mit neun Millionen Inseraten. Beide Unternehmen haben nie einen Hehl aus ihrem Interesse gemacht, auf der Insel weiter zu expandieren. Marriott betrieb zwischen 2016 und 2020 das Four Points by Sheraton in Havanna – das einzige Hotel der US-Giganten auf der Insel. Der damalige Marriott-CEO Arne Sorenson begleitete Obama sogar auf dem Flug, der den Beginn der neuen Phase markierte. Airbnb startete im April 2015 mit 1.000 Inseraten und wuchs bis 2019 auf 35.000 an, nachdem eine Sondergenehmigung erteilt worden war, auch nicht-US-amerikanische Gäste zu beherbergen. Der endgültige Schlag kam jedoch von einer Verfügung des US-Außenministeriums vom 31. Januar 2025, die Kubas Zugang zum internationalen Bankensystem einschränkte und die Gastgeber zwang, alternative Zahlungsmethoden im Ausland zu finden – das Geschäft brach zusammen. Das Bild, das sich aus diesen ersten Bewegungen ergibt, ist nach Einschätzung von Experten verheerend. Max Meizlish, von 2020 bis 2024 Beamter im US-Finanzministerium und heute Forscher an der Foundation for Defense of Democracies (FDD), spricht von einem beispiellosen Druck. "Washingtons Druck zielt darauf ab, das Karibikland endgültig zum finanziellen Paria zu machen, ohne externe Finanzierungsquellen. Was wir jetzt sehen, ist, dass zum ersten Mal alle strategischen Sektoren der kubanischen Wirtschaft, die Berührungspunkte mit ausländischen Firmen haben, unter Druck gesetzt werden", wird Meizlish zitiert. Die Offensive trifft die Insel in einem Moment extremer Verwundbarkeit. Die kubanische Regierung hat einen harten Sparkurs verordnet, der Kürzungen der öffentlichen Ausgaben, eine Reduzierung des bürokratischen Apparats und eine nie dagewesene Erhöhung der Grundgebühren umfasst. Die Stromausfälle in weiten Teilen des Landes übersteigen 24 Stunden.Der kubanische Wirtschaftswissenschaftler Omar Everleny Pérez sagte dem Blatt: "Das ist schlimmer als eine Kriegswirtschaft." Die eigentliche Frage sei laut Meizlish, dass die Executive Order der Trump-Administration die Tür öffne, den wirtschaftlichen Druck weiter zu erhöhen. Eine Option sei, internationale Banken dazu zu drängen, Gelder von Unternehmen einzufrieren, die mit der Regierung und ihrer Militärführung verbunden sind. "Was ich von jeder dieser Banken erwarten würde, die die Bedingungen der Executive Order einhalten wollen, ist, dass sie sie blockieren. Dass sie sie in eine Falle locken. Und dass diese Gelder bewegt werden, so dass sie für das Regime unzugänglich sind", sagte der ehemalige Finanzbeamte. Für Beobachter steht außer Frage, dass die USA mit dieser Strategie nicht nur den Druck auf Kuba erhöhen, sondern auch gezielt die Voraussetzungen dafür schaffen, dass US-Konzerne die Lücken füllen, die die abziehenden ausländischen Unternehmen hinterlassen. Der Bericht zeichnet das Bild eines wirtschaftlichen Erdrutschs, dessen Ende noch nicht absehbar ist und der das gesamte Gefüge der Insel erschüttern könnte.
Quelle: EL PAÍS (https://t1p.de/dsvld)
Autor: Leon Latozke
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