|
27.09.2026 08:00 Uhr
US-Präsident Trump erwartet eine Einigung mit Kuba und hält einen Militäreinsatz für unnötig. Gleichzeitig prüft die Reserve der US-Armee, welche Einheiten sie dem Südkommando in den nächsten Monaten zur Verfügung stellen könnte.
US-Präsident Donald Trump hält eine militärische Intervention in Kuba nach eigenen Worten für nicht erforderlich. Er gehe davon aus, dass Washington und Havanna zu einer Einigung kämen, sagte er am Samstag vor Journalisten im Weißen Haus. Die Äußerung fiel einen Tag, nachdem ein Bericht über vorbereitende Planungen der US-Armee für einen möglichen Einsatz rund um die Insel öffentlich geworden war. Kubas Außenminister Bruno Rodríguez Parrilla bekräftigte am selben Tag vor der UN-Generalversammlung, sein Land werde sich im Fall eines Angriffs verteidigen.
„Ich glaube nicht, dass wir das Militär brauchen“„Ich würde sagen, Kuba und wir werden einen Deal machen. Ich glaube nicht, dass wir das Militär brauchen“, sagte Trump. Kuba scheitere „sehr schwer“, man wolle dem Land helfen und es für US-Bürger öffnen, es gebe Kubanoamerikaner, die zurückkehren wollten. Anlass war die Frage eines Reporters, ob angesichts von Berichten über aktivierte Reserveeinheiten eine Militäraktion gegen Kuba anstehe. Trump äußerte sich vor seinem Abflug nach Tennessee. Der Ton unterschied sich deutlich von Trumps Auftritt vor den Vereinten Nationen wenige Tage zuvor. Am Dienstag hatte er Kuba dort als gescheiterten Staat bezeichnet und angekündigt, die Regierung werde fallen; seine Regierung strebe einen grundlegenden Wandel auf der Insel an. Die kubanische Delegation verließ daraufhin demonstrativ den Saal (mehr dazu). Außenminister Marco Rubio führe Verhandlungen mit Havanna, hatte Trump damals erklärt. Was die Armee prüft Einem am Freitag veröffentlichten Bericht zufolge prüft die Reserve der US-Armee, ob sie dem für Lateinamerika und die Karibik zuständigen Südkommando (Southcom) in den kommenden Monaten zusätzliche Kräfte bereitstellen kann. Das Hauptquartier der Army Reserve habe nachgeordnete Kommandos um Rückmeldung zur möglichen Verfügbarkeit von sechs Verbandstypen gebeten, die dem Südkommando unterstellt würden und womöglich binnen 90 bis 120 Tagen benötigt würden. Genannt werden eine Militärpolizei-Brigade, deren Aufgaben auch Sicherungs- und Gewahrsamseinsätze umfassen können, eine Sanitätsbrigade, eine vorgeschobene chirurgische Einheit, ein Logistikbataillon für Transport, Wartung und Treibstoff, ein Pionierbataillon sowie ein Kommando zur Steuerung der Logistik in einem Einsatzgebiet. Kuba wird in dem internen Dokument nicht erwähnt. Mehrere US-Beamte erklärten jedoch anonym, die Anfrage gehöre zur militärischen Planung, die Washington mit Blick auf die Insel betreibe. Hinweise auf bereits erteilte Verlegungsbefehle enthalte die Nachricht nicht. Das Südkommando lehnte unter Verweis auf operative Sicherheit eine Stellungnahme ab, die Army Reserve antwortete nicht. Die Planungen reichen weiter zurück. Bereits im Juli war berichtet worden, dass US-Militärplaner eine Reihe von Optionen gegen die Insel geprüft hätten, darunter eine von der Armee geführte Luftlandeoperation. Ob die aktuelle Abfrage einer konkreten Operation dient oder vor allem den Druck auf Havanna erhöhen soll, ist offen. Ein von US-Medien zitierter Beobachter hielt beides für möglich: eine ernsthafte Vorbereitung ebenso wie ein Mittel, den Druck auf die kubanische Führung zu steigern. (Hintergrund: Operation „Cuba Libre“?) Havanna: „Kuba ist keine Bedrohung“ In seiner Rede vor der 81. UN-Generalversammlung sagte Rodríguez, er hoffe, dass es nie zu einer US-Intervention komme. Sollte sie dennoch erfolgen, werde Kuba „mit aller Entschlossenheit und Energie sein legitimes Recht auf Selbstverteidigung“ wahrnehmen. Ein solcher Angriff sei ein schweres Verbrechen und koste Kubaner wie junge US-Soldaten das Leben. Die Regierung sei sich der enormen Herausforderung für Sicherheit und Überleben des Landes bewusst. Seit Januar 2026 habe sich der Druck durch eine Energieblockade verschärft, die allen Staaten per Einschüchterung den Export von Treibstoff nach Kuba untersage; dies komme einer Seeblockade gleich, die völkerrechtlich als Kriegshandlung gelte. Hinzu kämen Druck auf ausländische Investoren, Hindernisse für Handelslieferungen sowie Bemühungen, den Tourismus und Kubas Zugang zu Finanzierung und Technologie zu begrenzen. Kuba sei keine Bedrohung, die Blockade schon, erklärte der Minister. Zugleich betonte er, Havanna sei für Geschäftsbeziehungen mit US-Unternehmen offen. Gespräche ohne Durchbruch Zu den Kontakten mit Washington äußerte sich Rodríguez zurückhaltend. In einem Interview mit einem US-Sender bestätigte er diese Woche diplomatische Gespräche, wollte aber keine Einzelheiten nennen. Auf die Frage, ob Raúl Guillermo Rodríguez Castro beteiligt sei, antwortete er, darauf werde er nicht eingehen. Der 41-jährige Enkel von Raúl Castro, Spitzname „El Cangrejo“, gilt seit Monaten als inoffizieller Gesprächskanal. Er ist Oberst des Innenministeriums (MININT) und langjähriger Leibwächter seines Großvaters. Ein hoher kubanischer Funktionär hatte im Juli erklärt, er fungiere auf Beschluss der obersten Führung als Gesprächspartner; anders als große Teile seiner Familie ist er nicht mit US-Sanktionen belegt. Sichtbarster Moment der Kontakte war der Besuch von CIA-Direktor John Ratcliffe am 14. Mai in Havanna. Im Juli bestätigte Premierminister Manuel Marrero Cruz ein Verhandlungsteam, am 8. September räumte Rodríguez zwar Gespräche ein, sie zeigten aber keinerlei Fortschritt; Verhandlungen, Abkommen oder Fahrpläne gebe es nicht. Rubio signalisierte Offenheit, dämpfte aber die Erwartungen. Jahrzehnte von Misswirtschaft und Korruption ließen sich nicht in sechs Monaten umkehren, Kuba habe jedoch eine „goldene Gelegenheit“, und Washington sei bereit zu helfen. Gewalt schloss er nicht aus, falls Kuba die nationale Sicherheit der USA bedrohe. Raúl Castro selbst war im Mai vom US-Justizministerium angeklagt worden. Druck und Angebot im Wechsel Seit der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch US-Kräfte im Januar hat die Regierung Trump den Druck auf Kuba systematisch erhöht, unter anderem durch die Ölblockade (Chronologie). Schon damals hatte Trump Havanna aufgefordert, einen Deal zu machen, „bevor es zu spät ist“, ohne zu erläutern, was er darunter verstehe. Daran hat sich wenig geändert. Auch am Samstag blieb offen, welche Bedingungen ein Abkommen erfüllen müsste. Offiziell erklärtes Ziel der US-Regierung bleibt ein Regierungswechsel in Havanna. Drohung und Gesprächsangebot stehen damit weiter nebeneinander. Autor: Leon Latozke
Letzte Meldungen
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |
Dossiers
Mediathek
Anzeige (M2) Anzeige (G4) Achiv
Archiv
September 2026
|


RSS-Feed