Neues aus Kuba
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Kuba steht vor einer wachsenden Wohnraumkrise: Mehr als 800.000 Wohnungen fehlen, doch der Staat hat 2025 bislang nur rund 2.700 neue Einheiten gebaut. Die angestrebten Bauziele werden deutlich verfehlt. Zugleich verschlechtert sich der Zustand des bestehenden Wohnraumbestands.
Der Wohnungsmangel auf Kuba spitzt sich weiter zu. Wie das Ministerium für Bauwesen (Ministerio de la Construcción - MICONS) Anfang dieser Woche vor der ersten Plenarsitzung der Asamblea Nacional im Jahr 2025 mitteilte, beläuft sich das landesweite Wohnungsdefizit derzeit auf über 805.000 Einheiten. Demnach fehlen 407.219 Neubauten, während bei weiteren 398.364 eine grundlegende Sanierung notwendig ist. Angesichts dieser Zahlen wirkt die offizielle Bilanz des laufenden Jahres ernüchternd: Gerade einmal 2.728 neue Wohnungen wurden 2025 bisher fertiggestellt – ein Zuwachs von nur 0,1 Prozent.
Auch der Zustand des vorhandenen Wohnraums ist besorgniserregend. Von den insgesamt 4,1 Millionen Wohnobjekten auf der Insel befinden sich lediglich 65 Prozent – etwa 2,6 Millionen – in einem guten technischen Zustand. Der verbleibende Anteil, etwa 1,4 Millionen Einheiten, wird als sanierungsbedürftig oder gar baufällig eingestuft. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der problematischen Wohnungen um 6.520 gestiegen. Damit verschlechtert sich die Lage weiter – trotz politischer Bekundungen zur Verbesserung des Sektors. Besonders dramatisch fällt die Bilanz beim staatlichen Wohnungsbau aus. Von den 10.795 für 2025 geplanten Wohneinheiten wurden bis Mitte Juli lediglich 2.382 fertiggestellt – das entspricht einer Zielerreichung von nur 22 Prozent. Die Gründe dafür sind vielfältig: Das Ministerium nennt unter anderem Produktionsengpässe bei Zement und Stahl, Treibstoffmangel, veraltete Technik sowie die Stilllegung von mehr als 30 Prozent der Produktionsstätten. Auch Naturkatastrophen haben ihren Teil beigetragen. Noch immer sind 94.421 Wohnungen instandzusetzen, die durch Wirbelstürme und Erdbeben im Vorjahr beschädigt wurden. Vor diesem Hintergrund kritisieren unabhängige Ökonomen und Regierungsgegner die staatliche Investitionspolitik. Sie bemängeln, dass Kuba trotz der prekären Wohnsituation in den vergangenen Jahren große Summen in den Bau neuer Hotels investiert habe – viele davon im Luxussegment. Die touristische Infrastruktur sei damit gestärkt worden, während der Wohnungsbau zusehends vernachlässigt worden sei. Diese politische Schwerpunktsetzung wirkt vor dem Hintergrund der allgemeinen Wirtschaftskrise besonders kontrovers. Die kubanische Wirtschaft befindet sich seit über vier Jahren in einem schweren Abschwung. Ursachen sind unter anderem die Folgen der COVID-19-Pandemie, verschärfte US-Sanktionen und hausgemachte wirtschaftspolitische Fehler. Das Land leidet unter anhaltender Knappheit bei Lebensmitteln, Medikamenten und Treibstoff, langanhaltenden Stromausfällen, einer hohen Inflation und einer zunehmenden Abhängigkeit vom US-Dollar. Der Staat kämpft mit wachsender Auslandsverschuldung und einem akuten Mangel an Devisen. Vor diesem Hintergrund droht sich die ohnehin angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt weiter zu verschärfen. Die Kombination aus stagnierender Bautätigkeit, maroder Bausubstanz und fehlenden Investitionen birgt langfristig auch soziale Sprengkraft. Die Hoffnung auf eine spürbare Verbesserung bleibt – vorerst – eine Illusion.
Quelle: Cubadebate (https://t1p.de/8v3qs)
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Text: Leon Latozke
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