Neues aus Kuba
Zehn Millionen Touristen, Milliarden-Investitionen: So träumt Miami vom Wiederaufbau Kubas25/7/2026
25.07.2026 08:00 Uhr
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Miami plant Kubas Wiederaufbau: Kubanischstämmige Experten stellten beim Forum im American Museum of the Cuban Diaspora Strategien für Strom, Wasser und Verkehr nach einem demokratischen Übergang vor – mit privatem Kapital als Schlüsselfaktor.
Abbildung: Symbolbild/Screenshot. Bildquelle: Video. Rechte beim Uploadenden.
Während in Havanna die Stromausfälle zum Alltag gehören und die Wasserversorgung vielerorts zusammenbricht, arbeitet in Miami eine kleine, aber einflussreiche Gruppe kubanischstämmiger Experten bereits an einem Plan für die Zeit danach. Beim Forum "Wiederaufbau der Infrastruktur Kubas als Teil des demokratischen Übergangs" kamen am 22. Juli Ökonomen, Ingenieure und Unternehmer im American Museum of the Cuban Diaspora zusammen, um zu skizzieren, wie eine Insel nach Jahrzehnten sozialistischer Misswirtschaft wieder auf die Beine kommen könnte.
Der Grundtenor: Ohne privates Kapital und ohne die Einbindung der Exilgemeinde wird es nicht gehen. Kuba könne im Ernstfall nicht auf schnelle Hilfe internationaler Institutionen zählen, warnte der Ökonom Rafael Romeu, Präsident der Association for the Study of the Cuban Economy. Das Land ist seit 1964 kein Mitglied des Internationalen Währungsfonds mehr. Wer auf internationale Organisationen warte, riskiere Chaos und Leid für die Bevölkerung – etwa durch eine sich verschärfende Hyperinflation und eine wachsende Dollarisierung auf dem Schwarzmarkt, sollten die grundlegenden Versorgungssysteme kollabieren. Romeu plädiert deshalb für eine erste Phase humanitärer Nothilfe, die das marode Stromnetz, die Wasserversorgung und das Gesundheitssystem stabilisieren soll, bevor überhaupt an strukturellen Wiederaufbau zu denken sei. Langfristig brauche es einen rechtlichen Rahmen, der private Investitionen anzieht und der Diaspora ermöglicht, sich am Aufbau ihres früheren Heimatlandes zu beteiligen – etwas, das ihr das Regime historisch verwehrt habe. Als Stabilisierungsmaßnahme schlägt Romeu eine Dollarisierung der kubanischen Wirtschaft vor. Der Wiederaufbau selbst werde Milliarden kosten, und genau dort komme dann das Risikokapital ins Spiel, so der Ökonom. Besonders der Tourismussektor gilt ihm als Wachstumsmotor: Eine offene, infrastrukturell saniert Insel könnte demnach jährlich sieben bis zehn Millionen Besucher anziehen – eine gewaltige Zahl angesichts der aktuellen Realität. Zwischen Januar und Mai 2026 kamen laut Bericht nur rund 359.000 Touristen nach Kuba, ein Rückgang von 58 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Erdgas, Solar und die "Stunde null"
Als dringendstes Problem gilt allen Beteiligten die Energiekrise. Jorge Piñón vom Austin Energy Institute der University of Texas brachte es auf den Punkt: Kuba stehe an der "Stunde null". Eine verlässliche, saubere Energieversorgung sei die Grundvoraussetzung für alles Weitere – vom Alltag der Bevölkerung bis zur Anwerbung neuer Investitionen.
Piñón setzt vor allem auf Erdgas, das Kuba bereits gemeinsam mit dem kanadischen Unternehmen Sherritt International in den Feldern Canasí und Puerto Escondido fördert – nach offiziellen Angaben rund eine Million Kubikmeter täglich, die derzeit vor allem der Stromerzeugung dienen. Sein Vorschlag: Die Rohölraffinierung schrittweise einstellen und die bestehenden Raffinerien in offene Kraftstoffterminals umwandeln, die von mehreren Anbietern gemeinsam genutzt werden können. Das würde die hohen Kosten für die Modernisierung veralteter Anlagen sparen, die Umweltbelastung senken und Wettbewerb unter den Anbietern ermöglichen – ein Modell, das sich laut Piñón bereits in Puerto Rico bewährt habe. Ergänzt werden soll das Ganze durch Solarenergie und aus Zuckerrohr gewonnenes Ethanol, ähnlich dem brasilianischen Ansatz Wasser, Straßen, Häfen: Jahrzehnte des Verfalls
Auch bei der Wasserversorgung ist der Sanierungsbedarf immens. Der Ingenieur José Enrique Cueto, ehemaliger Direktor der Wasser- und Abwasserbehörde von Miami-Dade, verwies darauf, dass Kuba zwar formal 59 Wasseraufbereitungsanlagen besitzt, die meisten davon aber kaum oder nur eingeschränkt funktionsfähig sind – wegen fehlender Chemikalien, defekter Pumpen und schlechter Filter. Als Hauptdesinfektionsmittel kommt weiterhin hochgiftiges Chlorgas zum Einsatz. Ein Großteil der Bevölkerung ist zudem mangels funktionierender Kanalisation auf Sickergruben angewiesen.
Cuetos Fahrplan sieht zunächst die Wiederherstellung von Pumpwerken, Trinkwasseraufbereitung und Leitungsnetzen vor – mit Priorität für Krankenhäuser, dicht besiedelte Städte und besonders verwundbare Gemeinden. Für diese Basissanierung veranschlagt er zwei bis fünf Jahre, für eine umfassendere Modernisierung bis zu zehn Jahre, für den Ausbau von Abwassersystemen, Industrie- und Agrarversorgung sogar mehr als ein Jahrzehnt. Beim Straßennetz sieht es kaum besser aus: Nach Angaben des Ingenieurs Carlos Peñín, Gründer der Firma C.A.P. Government und früherer Vorsitzender der Miami-Dade Expressway Authority, befinden sich 70 Prozent der kubanischen Straßen in schlechtem Zustand. Die Carretera Central und die nie fertiggestellte Autopista Nacional stehen sinnbildlich für jahrzehntelange Vernachlässigung, auf denen Autos, Pferdekarren und Fußgänger sich ungesicherten Raum teilen. Peñín sieht zwar Entwicklungspotenzial, betont aber, dass es massiver Investitionen bedürfe, um wirtschaftlich spürbare Effekte zu erzielen. Bei den Häfen – Kuba verfügt über 30, darunter den strategisch wichtigen Hafen von Mariel – sehen die Experten vor allem Chancen im Kreuzfahrttourismus, sofern eine umfassende Modernisierung gelingt. Für die Flughäfen bezifferte der Architekt Willy Bermello, Vorstandsvorsitzender von Bermello Ajamil & Partners, den Investitionsbedarf auf acht bis zehn Milliarden US-Dollar über 15 Jahre, um internationale Standards zu erreichen. 5G und Starlink als Zukunftsversprechen
Auch die Telekommunikation stand auf der Agenda. Jesús Lebeña, Vizepräsident für Unternehmensbetrieb bei MasTec Communications Group, zeigte sich überzeugt, dass sich ein moderner Mobilfunkstandard einschließlich 5G innerhalb von weniger als drei Jahren realisieren ließe – vorausgesetzt, Kuba wird über Glasfaserkabel mit den USA und anderen Ländern verbunden und der Sektor für internationale Ausschreibungen geöffnet. Das würde nicht nur die Preise für Verbraucher senken, sondern auch Satelliten-Internetanbietern wie Starlink den Zugang ermöglichen, die derzeit auf der Insel verboten sind. Lebeña sieht sogar Potenzial, Kuba langfristig zu einem regionalen Rechenzentrumsstandort zu entwickeln.
Zum Abschluss des Forums brachte es Marcell Felipe, Präsident des Museums, auf den Punkt: Talent und Kapital der Diaspora seien vorhanden – ihre Mobilisierung hänge jedoch vollständig von einem Regierungswechsel in Kuba und verlässlichen rechtlichen Rahmenbedingungen ab. Die zentrale Frage sei längst nicht mehr, ob Kuba nach dem Castrismus Hilfe brauchen werde, sondern welche Institutionen bereit seien, sie zu verwalten, ohne die Monopolstrukturen, die Improvisation und die Intransparenz der Vergangenheit zu wiederholen.
Quellen: 14ymedio, El Nuevo Herald
Autor: Leon Latozke
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