Neues aus Kuba
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Eine neue Untersuchung der Menschenrechtsorganisation Prisoners Defenders wirft der kubanischen Regierung systematische Zwangsarbeit in Gefängnissen vor. Demnach sind rund 60.000 Häftlinge betroffen, die unter unmenschlichen Bedingungen Produkte wie Holzkohle und Zigarren herstellen – Waren, die auch nach Europa exportiert werden.
15.09.2025 23:30 Uhr
Abbildung: Das KI-generierte Symbolbild zeigt keine reale Szene.
Eine internationale Menschenrechtsorganisation erhebt schwere Vorwürfe gegen Kuba: Laut einem aktuellen Bericht von Prisoners Defenders sollen rund 60.000 Inhaftierte, fast die Hälfte der geschätzten Gefängnispopulation des Landes, unter Zwang arbeiten – oftmals ohne Lohn, unter gefährlichen Bedingungen und unter Anwendung von Druckmitteln wie Drohungen oder Gewalt. Der Bericht stellt die Praxis als systematisches und ökonomisch motiviertes Ausbeutungssystem dar, das nicht nur die kubanische Wirtschaft stützt, sondern auch den europäischen Markt erreicht.
Vorwurf der „Sklavenarbeit“ Der 42-seitige Bericht, der auf Interviews mit 53 ehemaligen Häftlingen sowie weiteren Gesprächen und extern überprüften Dokumenten basiert, beschreibt eine Realität, die der Präsident von Prisoners Defenders, Javier Larrondo, als „schlichtweg Sklaverei“ bezeichnet. Betroffen seien politische Gefangene ebenso wie gewöhnliche Straftäter. Nach Angaben der NGO arbeiten die Inhaftierten durchschnittlich 63 Stunden pro Woche, meist ohne Vertrag, ohne angemessene Entlohnung und unter Bedingungen, die internationale Arbeitsnormen grob verletzen. Die Tätigkeiten reichen von der Herstellung von Holzkohle aus der in Kuba weit verbreiteten Pflanze Marabú über die Zuckerrohrernte und den Bau bis zur Zigarrenproduktion. Viele Betroffene hätten ohne Schutzkleidung oder Werkzeug gearbeitet, was zu schweren physischen und psychischen Schäden geführt habe. Auch Kranke und Verletzte seien zum Dienst gezwungen worden. Afro-Kubaner und Frauen seien dabei überproportional betroffen und würden zusätzlich Opfer diskriminierender und teilweise sexueller Gewalt. Export nach Europa Besonders brisant ist der Vorwurf, dass die Produkte dieser Zwangsarbeit in erheblichem Umfang in den internationalen Handel gelangen. So erzielte Kuba allein im Jahr 2023 mit dem Export von Holzkohle Einnahmen in Höhe von 61,8 Millionen US-Dollar. Das machte den Brennstoff zum sechstgrößten Exportgut der Insel und verschaffte Kuba Rang neun unter den weltweiten Produzenten. Hauptabnehmer sind europäische Länder, vor allem Spanien, das seinerseits große Mengen nach Frankreich, Italien, Deutschland, die Niederlande und das Vereinigte Königreich weiterverkauft. Die NGO rechnete vor, dass ein kubanischer Gefangener für einen 15-Kilogramm-Sack Holzkohle, der in Spanien über 21 Dollar einbringt, weniger als einen Cent erhalte, während der kubanische Staat rund acht Dollar einstreiche. Neben Holzkohle seien auch Zigarren betroffen: Etwa 7,5 Prozent der berühmten kubanischen Puros sollen dem Bericht zufolge von Häftlingen unter Zwang hergestellt werden – darunter Produkte weltbekannter Marken wie Cohiba. Forderungen an die Europäische Union Die Menschenrechtsorganisation wirft sowohl der kubanischen Regierung als auch den europäischen Handelspartnern vor, aus reinem Gewinnstreben von dem System zu profitieren. Larrondo sprach von einem „ungebremsten Streben nach Profit“, das die Augen vor Menschenrechtsverletzungen verschließe. Er forderte die Europäische Union auf, ihrer Sorgfaltspflicht nachzukommen und den Import von Waren, die unter Zwangsarbeit hergestellt werden, zu verbieten. Der Bericht listet rund 60 europäische Unternehmen auf, die mit kubanischer Holzkohle handeln, mehr als ein Drittel davon in Spanien. Nach Ansicht von Prisoners Defenders trägt jeder Käufer eine direkte Mitverantwortung für die Aufrechterhaltung des Systems. Kubas Gegenargument Die kubanische Regierung weist die Vorwürfe zurück. Bereits im Juni hatte Havannas UN-Vertretung in New York erklärt, das Land halte sich an die Mindeststandards der Vereinten Nationen für die Behandlung von Gefangenen. Dazu zählten die Achtung der Menschenwürde sowie der Zugang zu Bildung, Arbeit und kulturellen Angeboten. Offiziell gilt Gefängnisarbeit in Kuba als Bestandteil der Resozialisierung. Prisoners Defenders stellt diese Darstellung jedoch entschieden infrage. Die Organisation spricht von einem „integralen Bestandteil der kubanischen Gefängniswirtschaft“, die nicht auf Rehabilitation, sondern auf Kontrolle, Bestrafung und wirtschaftliche Ausbeutung ausgerichtet sei. Internationale Dimension Die Vorwürfe treffen Kuba in einer Phase anhaltender wirtschaftlicher Krise. Angesichts massiver Devisenknappheit sind Exporte für die Regierung überlebenswichtig. Dass jedoch Produkte, die mutmaßlich unter Zwangsarbeit in kubanischen Gefängnissen hergestellt werden, in europäischen Supermärkten und Tabakgeschäften landen, verleiht dem Thema Brisanz. Menschenrechtsgruppen fordern deshalb nicht nur politische Sanktionen, sondern auch ein konsequentes Vorgehen auf der Ebene des Handelsrechts. Ob die EU tatsächlich Schritte unternimmt, ist offen. Zwar existieren auf europäischer Ebene Vorschriften gegen den Import von Waren aus Zwangsarbeit, doch die Durchsetzung gilt als komplex. Kritiker bemängeln, dass bislang kaum Fälle effektiv geahndet wurden. Sollte sich der Bericht bestätigen, dürfte die Debatte über die Verantwortung europäischer Unternehmen und Institutionen jedoch an Schärfe gewinnen. Prisoners Defenders, eine in Madrid ansässige Menschenrechtsorganisation, hat sich seit ihrer Gründung 2019 auf die Lage politischer Gefangener in Kuba spezialisiert. Sie dokumentiert regelmäßig Fälle willkürlicher Inhaftierungen, Misshandlungen und Verstöße gegen internationale Rechtsnormen. Gegründet wurde sie von Javier Larrondo, einem spanischen Unternehmer mit kubanischen Wurzeln, der zuvor in verschiedenen Solidaritätsinitiativen für Dissidenten aktiv war. Finanziell stützt sich Prisoners Defenders nach eigenen Angaben auf Spenden von Privatpersonen, Unterstützung durch internationale Stiftungen sowie Beiträge von Institutionen, die Demokratie- und Menschenrechtsarbeit fördern. Staatliche Mittel der EU oder einzelner Regierungen spielen dabei eine Rolle, allerdings betont die NGO ihre organisatorische Unabhängigkeit. Kritiker in Havanna werfen ihr dennoch vor, Teil einer von westlichen Akteuren gesteuerten Kampagne gegen Kuba zu sein. Prisoners Defenders weist diese Vorwürfe zurück und verweist auf die Transparenz ihrer Jahresberichte sowie die breite Vernetzung mit internationalen Menschenrechtsorganisationen und Institutionen der Vereinten Nationen.
Quelle: Prisoners Defenders (https://t1p.de/knlx0)
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