Neues aus Kuba
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Der geheim gehaltene zweite Prozess gegen Kubas ehemaligen Wirtschaftsminister Alejandro Gil Fernández hat in Havanna für Unruhe gesorgt. Hinter verschlossenen Türen wurden ihm schwere Wirtschaftsdelikte vorgeworfen, während zugleich Hinweise auf interne Machtkämpfe im kubanischen Führungskreis laut wurden.
30.11.2025 08:15 Uhr
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Der zweite Prozess gegen den ehemaligen kubanischen Wirtschafts- und Planungsminister Alejandro Gil Fernández ist in Havanna unter strikter Geheimhaltung zu Ende gegangen. Wie unabhängige Quellen und Angehörige bestätigten, fand die Verhandlung vor dem Tribunal de Marianao ohne vorherige Bekanntgabe und ohne internationale Presse statt – ein Umgang, der selbst im repressiven Justizsystem Kubas als außergewöhnlich gilt.
Während sich der erste Prozess vor zwei Wochen auf mutmaßliche Spionage konzentriert haben soll – laut Familienangehörigen mit einer Forderung der Staatsanwaltschaft nach lebenslanger Haft – standen nun umfangreiche Wirtschaftsdelikte im Mittelpunkt. Gil wurde unter anderem Malversation, Steuerhinterziehung, Einflussnahme und Geldwäsche vorgeworfen. Über die weiteren Mitangeklagten gibt der Staat bislang keine Informationen preis. Besonders brisant sind die Aussagen von Gils Schwester María Victoria Gil, die in einem Interview die vollständige Intransparenz des Verfahrens kritisierte. Nicht einmal das staatliche Fernsehen habe den Prozess erwähnt. Angehörige durften nur nach Unterzeichnung eines Verschwiegenheitsdokuments teilnehmen; öffentliche Stellungnahmen sind ihnen untersagt. Gil soll einige wirtschaftliche Vergehen eingeräumt haben, doch seine Familie betont, dass er nicht allein gehandelt haben könne. Verantwortliche aus höheren Machtbereichen seien aus dem Verfahren „verschwunden“. Aus Sicht der Schwester dient der ehemalige Minister als Sündenbock – insbesondere für Konflikte innerhalb des Machtapparats, die im Zuge der wirtschaftlichen Umstrukturierung („Tarea Ordenamiento“) verschärft worden seien. Für zusätzlichen politischen Sprengstoff sorgt die Information, dass Präsident Miguel Díaz-Canel selbst als Belastungszeuge aufgetreten sein soll. Nach Jahren enger Zusammenarbeit bewertet die Familie diesen Schritt als „Verrat“. Beobachter werten dies als Hinweis auf interne Machtkämpfe sowie auf eine mögliche Neuordnung innerhalb der Führungselite. Im Prozess wurden auch mögliche Vermögensbeschlagnahmungen thematisiert, darunter die Wohnung des Exministers in Miramar. Laut Angehörigen handelt es sich jedoch um eine staatliche Permuta und nicht um illegal erworbenes Eigentum. Die Familie kritisiert zudem prominente regimetreue Künstler und Medienpersönlichkeiten, die Gil einst nahegestanden hätten, nun aber vollständig schweigen. Der Fall gilt als der politisch sensibelste Strafprozess der vergangenen Dekade in Kuba – ein Verfahren, das tiefe Risse im Staatsapparat sichtbar macht und zugleich die wachsende Distanz zwischen Regierung und Bevölkerung verdeutlicht.
Quelle: Martí Notícias (https://t1p.de/n39to)
Autor: Leon Latozke
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