Neues aus Kuba
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09.07.2026 09:00 Uhr
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Abbildung: Symbolbild/Screenshot. Bildquelle: Video. Rechte beim Uploadenden.
Diesel-Rationierung, Stromausfälle, fast tausend zu versorgende Tiere: Der Nationalzoo von Havanna kämpft an vielen Fronten. Jetzt gibt es Grund zur Freude – eine seltene Tigergeburt.
Es ist ein Moment, der selbst einen Mann mit 44 Dienstjahren sichtlich bewegt: Als der Tierpfleger Ángel Cordero vier junge Bengal-Tiger in ihrem Gehege im kubanischen Nationalzoo spielen sieht, spricht er von einem "kleinen Wunder". Unter den Neugeborenen befindet sich ein außergewöhnlich seltenes Exemplar – ein weißer Tiger, dessen Geburt in Kuba bislang erst zum zweiten Mal überhaupt dokumentiert wurde.
Die Freude über den tierischen Nachwuchs steht in scharfem Kontrast zu den Bedingungen, unter denen die Einrichtung derzeit arbeitet. Kubas größter Zoo, ein 375 Hektar großes Gelände am Rand von Havanna, kämpft seit Monaten mit den Folgen der Energiekrise, die die gesamte Insel im Griff hält: tagelange Stromausfälle, Medikamentenengpässe und vor allem ein akuter Mangel an Treibstoff. Improvisation statt Logistik Wo Fahrzeuge fehlen, behelfen sich die Beschäftigten des Nationalzoos inzwischen mit Pferdekutschen und elektrischen Dreirädern, um die weitläufige Anlage zu bewältigen. Zoodirektor Juan Carlos Santos berichtete gegenüber Reuters, der Tierbestand sei trotz der schwierigen Lage stabil geblieben – nicht zuletzt dank neuer Kooperationen mit kleinen Privatunternehmen, die punktuell Material und Versorgungsgüter beisteuern. Der eigentliche Engpass liegt beim Treibstoff. Rund 20 Liter Diesel wären nach Angaben des Personals täglich nötig, um Futter für die unterschiedlichen Tierarten – darunter Nashörner, Zebras, Flusspferde und Büffel – über das Gelände zu verteilen. Zugeteilt werden den Mitarbeitern jedoch lediglich fünf Liter, ein Fünftel des tatsächlichen Bedarfs. Besonders betroffen ist laut Cordero die Versorgung der afrikanischen Savannen-Anlage, die ohne Fahrzeuge kaum zu erreichen ist: "Bei uns hängt einfach alles am Treibstoff." Blockade als Hintergrund Kubanische Medien wie teleSUR und Cubadebate ordnen die aktuelle Notlage explizit in den Kontext der von den USA verhängten Erdölblockade ein, die nach offizieller Lesart maßgeblich für die beispiellosen Herausforderungen in den Löwen- und Tigergehegen verantwortlich sei – Gehege, die Cordero eigenen Angaben zufolge selbst mit aufgebaut hat. Die internationalen Agenturmeldungen von Reuters und der Guardian benennen die Ursache zurückhaltender und sprechen allgemein von einer anhaltenden Energiekrise mit Brennstoff- und Medikamentenknappheit sowie mehrtägigen Stromausfällen. Unabhängig von der politischen Einordnung ist der praktische Alltag im Zoo derselbe: ein ständiger Balanceakt zwischen dem Anspruch, seltene und teils vom Aussterben bedrohte Arten fachgerecht zu betreuen, und der Realität eines Landes, in dem selbst grundlegende Logistik zur täglichen Herausforderung wird. Hoffnung auf Wirtschaftsreformen Zoo-Verantwortliche äußerten sich gegenüber Reuters vorsichtig optimistisch mit Blick auf die jüngst angekündigten Wirtschaftsreformen, die Kubas sozialistisches Wirtschaftsmodell schrittweise für marktwirtschaftliche Elemente öffnen sollen. Sollten die Reformen wie geplant umgesetzt werden, könnten sie auch dem Zoo zugutekommen – etwa durch ausländische Investitionen, wissenschaftlichen Austausch oder verbesserten Zugang zu dringend benötigten Versorgungsgütern. Bis dahin bleibt den Beschäftigten des Nationalzoos vor allem eines: Improvisationstalent – und, wie im Fall der vier neuen Tigerbabys, gelegentlich ein Moment echter Freude inmitten des Krisenalltags. Autor: Leon Latozke
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